Neues aus Haiti…

Posted: 26. Februar 2011 in Uncategorized
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…gibt es wahrscheinlich Ende März.

Nächste Woche Mittwoch fliege ich nach santo Domingo, wo ich mich mit Philipp treffe um dann nach Haiti zu fliegen.
Wir werden für ca. 3 Wochen gemeinsam als Freiwillige der Organisation J/P HRO (www.jphro.org) in einem der Camps arbeiten. Am 21. März bin ich dann hoffentlich wieder zurück und kann berichten, wie es in Haiti im Moment vorran geht (nach meinem bisherigen Kenntnisstand leider nicht so gut…).

Bis dann,
Felix!

Seit Freitag, dem 20.08.2010, bin ich wieder zurück in Deutschland und schwer beschäftigt mit Unikram und allem, was man sonst so nach einem Jahr wieder organisieren muss. Ich habe noch einiges an Fotomaterial und Ideen für Beiträge und werde diese, sobald ich mehr Zeit habe, hoffentlich auch noch vollenden können ;)

Jetzt muss ich aber erstmal alles für mein Studium in Osnabrück vorbereiten und den restlichen Papierkram erledigen. Außerdem muss ich mich natürlich an das deutsche Sauwetter gewöhnen.

Damit das etwas leichter fällt, gibt’s hier noch einen Sonnenhit aus der Republik!

Am 31. Juli habe ich mit Fionn zusammen mal wieder eine Wanderung unternommen.

Zusammen sind wir morgens mit dem Bus los nach Guayabal, wo wir die erste Nacht bei „Verwandten“ von Fionn vebringen wollten. Guayabal liegt schon sehr weit oben in den Bergen, von dort aus wollten wir dann noch weiter hoch nach Constanza wandern. Fionn wusste, dass es dort einen Weg gibt, der ein Stück weit an einem Fluss entlang geht und dann immer weiter durch die Berge.

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir zusammen mit Fionns Gastgeschwistern in Guayabal, wo es wirklich traumhaft schön ist, ganz anders, als man sich die Dominikanische Republik so vorstellt: Berge, Flüsse und fast schon Kälte.

Fionn und ich mit seinen Gastgeschwistern

Fionn und ich mit seinen Gastgeschwistern

Fionns Gastschwester Emily

Fionns Gastschwester Emily

Fionns Gastbruder und Ich bei der Flussüberquerung

Fionns Gastbruder und Ich bei der Flussüberquerung

In Guayabal ließen wir dann noch unsere Macheten schärfen, die wir uns in Azua noch gekauft hatten und fragten, wie lange es bis Constanza etwa dauere. So genau konnte uns das keiner sagen, aber wenn man früh genug los ginge, käme man schon am Mittag dort an. Eine verhängnisvolle Annahme, wie sich später noch rausstellte.

Der Plan war also, am nächsten Tag um 5 Uhr morgens zu starten und eine Pause an den warmen Quellen einzulegen, die auf dem Weg lagen und zu welchen Fionn schon einmal gelaufen war. Von dort aus sollte es dann noch ein paar Stunden dauern, sodass wir gegen Nachmittag in Constanza ankämen. Dort wollten wir dann bei einer anderen „Verwandten“ von Fionn übernachten und evtl. Noch etwas in der Umgebung anschauen. Diese Verwandte wusste allerdings noch nicht bescheid und da es in Guayabal keinen Handyempfang gibt, sondern nur öffentliche Telefonhäuschen, über die die Verwandten aber nicht zu erreichen waren, schrieb und Fionns „Oma“ aus Guayabal einen Brief, in dem sie schilderte, dass wir zur Familie gehörten und so weiter. Mit diesem Brief im Gepäck fühlte ich mich auf der Wanderung noch das ein oder andere Mal wie ein Bote im Mittelalter.

Samstagmorgen machten wir uns also in der Morgendämmerung auf den Weg. Die Oma hatte uns am Abend noch Reis mit Bohnen gekocht, den wir zusammen mit jeder einer Gallone Wasser in unsere Rucksäcke packten. Mit Stirnlampe auf dem Kopf und im Mondesschein ging es dann Richtung Constanza. Überraschenderweise waren wir um die Uhrzeit, zu der ich sonst keinen Fuß vor die Tür setze, nicht alleine unterwegs. Die ersten Bauern ritten schon mit ihren Maultieren an uns vorbei und wünschten uns freundlich einen guten Morgen. Natürlich wollten auch viele wissen, wohin denn zwei „americanos“ so früh unterwegs seien.

Das erste Stück des Weges ging an einem Fluss, dem Rio Guayabal, entlang, den wir auch des öfteren Überqueren mussten. Bei der Prozedur Schuhe aus, Fluss durchwaten, Schuhe an, verloren wir viel Zeit, so dass ich am Schluss ein Stück in Flip-Flops gelaufen bin. Es waren gefühlte 96 Flussüberquerungen und immer wenn man dachte jetzt sei’s geschafft und die Schuhe wieder anzog, musste man hinter der nächsten Ecke wieder den Fluss überqueren.

Durch den Matsch

Durch den Matsch

Eine der 254 Flussüberquerungen

Eine der 254 Flussüberquerungen

Der Weg am Fluss entlang

Der Weg am Fluss entlang

Mitlerweile war auch schon die Sonne aufgegangen und brannte rücksichtslos auf uns nieder. Da war es gar nicht so schlecht, ab und zu mal in den Fluss zu hüpfen. Die ganze Zeit waren wir mitgenommen von der Schönheit der uns umgebenden Natur, den Bergen, den grünen Wiesen, die wie Teppiche die Hügel bedeckten und dem Fluss, der sich in Kurven durchs Land schlängelte.

Irgendwan kamen wir dann endlich an den warmen Quellen an. Völlig beeindruckt von dem Wasser, was da aus den Felsen kam und die Steine rot färbte, sprangen wir erstmal ins größte Becken und nahmen ein ausgiebiges Bad in den wirklich super warmen Quellen. Das Wasser war schon keine Erfrischung mehr, aber es war angenehm warm und es ließ sich wunderbar darin entspannen. Wahrscheinlich wird das Wasser durch irgendwelche chemischen Reaktionen erwärmt, was auch die rote farbe der Steine erklären würde. Wer sich da besser auskennt kann ja mal erzählen ;)

Dort legten wir eine ausgiebige Pause ein und machten uns auch über den Reis her. Dabei mussten wir auch feststellen, dass unsere wasservorräte in der brennenden Sonne schneller ausgingen, als gedacht, vor allem, da das Wasser in einem der Kanister mehr nach Chlor, als nach Wasser schmeckte. Während dieser Pause kehrten die ersten Feldarbeiter schon auf ihren Maultieren mit Säcken voller Bohnen zurück.

Fionn entspannt in der Quelle

Fionn entspannt in der Quelle

Fotogener Schmetterling

Fotogener Schmetterling

Bohnenernte mit Maultier

Bohnenernte mit Maultier

Nach einem ausgiebigen Bad in den wohltuenden Quellen machten wir uns dann wieder auf den Weg und endlich endeten auch die Flussüberquerungen. Dafür machte uns jetzt etwas anderes zu schaffen: Steigung. Ich glaube wir sind 90% der Wanderung bergauf gelaufen und das bei erbarmungslos strahlender Sonne. Beim Abstieg hat es dann dafür geregnet, aber dazu später mehr.

Der Weg führte uns jetzt durch die verschiedensten Gebiete. Ab und zu stießen wir auf Feldarbeiter, die mitten in den Bergen Avocados, Bananen oder Bohnen anbauten. Bei diesen konnten wir dann auch unser Wasser auffüllen, das direkt aus dem Berg kam. Lecker!

Die Aussicht war oft traumhaft und da wir öfters kurz anhalten und verschnaufen mussten, konnten wir sie auch oft genug genießen. Langsam ahnten wir schon, dass wir uns mit der Zeit ziemlich verschätzt hatten. Es wurde Nachmittag und immer wenn wir dachten, jetzt ginge es endlich bergab, ging es hinter der nächsten Ecke um so steiler bergauf. Da wir ja auch nicht wussten, wie weit es bis ans Ziel noch war, gingen wir dann doch etwas schnelleren Schrittes. Unterwegs fragten wir einen der Bauern dann mal, wie weit es zu Fuß denn noch sei. Immer wenn wir sagten, wir gingen zu Fuß wurden wir von den Leuten zwar bewundert, mittlerweile glaube ich aber, dass wir eher bemitleidet wurden…

Jedenfalls sollten es angeblich noch vier Stunden bis Constanza sein. Es wurde uns schnell klar, dass wir es gerade so zum Abend schaffen würden. Gegen Nachmittag wurde es dann innerhalb kürzester Zeit bewölkt und wir ahnten schon, was uns erwartete. Der Regen ließ dann auch nicht lange auf sich warten und natürlich hatte niemand Regensachen dabei. Verzweifelt versuchten wir, unter Bäumen und Büschen Unterschlupf zu finden. Uns wurde dabei aber auch klar, dass wir so noch länger brauchten, da wir ja auch nicht wussten, wie lange der Regen andauern würden. Also mussten wir weiterlaufen, schön durch den Matsch und Regen.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation. Kartoffel- und Kohlfelder und vereinzelte Hütten. In diesen wohnten ausschließlich Haitianer, die uns dann auch gleich erzählten, dass es bis Constanza noch ein gutes Stück sei.

Blick in übers Tal mit vereinzelten Plantagen

Blick in übers Tal mit vereinzelten Plantagen

Die ersten Kartoffeln von Constanza

Die ersten Kartoffeln von Constanza

Der Weg nach dem Regen

Der Weg nach dem Regen

So schnell wie möglich machten wir uns also auf den Weg. Langsam dämmerte es auch schon und wir wussten immer noch nicht, wie weit es noch war. Plötzlich kamen, wie aus dem Nichts, zwei Jeeps, die wir sofort anhielten und fragten, ob sie zufällig nach Constanza fuhren. Wir hatten Glück und konnten direkt hinten draufspringen. Diese Art des Transports ist hier ganz normal und in Azua fahre ich so fast täglich. Der frische Wind um die Ohren weckt einen morgens gleich richtig.

Auf dem Weg sahen wir dann, dass es noch ein richtig langes Stück war und selbst mit Jeep kamen wir erst im Dunkeln an. Wahrscheinlich waren diejenigen, die uns die Auskunft gegeben hatten, noch nie zu Fuß den Weg gegangen, sondern immer mit Maultier oder Motorrad. Insgesamt waren wir über 12 Stunden unterwegs.

Jetzt mussten wir noch die Verwandtschaft auftreiben, was sich aber als leichter als gedacht rausstellte. Da sie eine Cafeteria mitten in der Stadt haben, kannte sie jeder und auch die Motoconchos wussten, wo sie wohnten. Da die Oma sie mittlerweile dann doch telefonisch erreicht hatte und sich alle auch schon große Sorgen machten, wo wir denn bleiben, wurden wir freundlich empfangen. Wir müssen ausgesehen und gestunken haben, wie die Schweine, weshalb wir uns erstmal ausgiebig pflegten. Mir tat alles weh und ich war hundemüde. Nach einem leckeren, extra für uns zubereiteten Essen gingen wir dann auch sofort schlafen. Am nächsten Morgen weckte uns, viel zu früh, ein Motoconcho, das uns zu der Cafeteria bringen sollte. Dort gab es zur Stärkund dann erstmal ein leckeres Frühstück aus gestampften Platano, Zwiebeln, Yuca, frittiertem Ei, frittierter Salami und frittiertem Käse. Mindestens 1000 Kalorien, aber genau das, was wir gebraucht haben. Nach einer kurzen Stadterkundung trafen wir dann die Leute mit den Jeeps wieder, die nur noch kurz essen und dann wieder den Heimweg antreten wollten. Da sie in unsere Richtung fuhren, fragten sie, ob sie uns mitnehmen sollten. Da das eine günstige Gelegenheit war, den vollgestopften, unbequemen Bussen zu entkommen sagten zu und holten noch schnell unsere Sachen aus dem Haus. Leider hatte sich unsere Mitfahrgelegenheit in der Zeit in Luft aufgelöst. Enttäuscht fuhren wir dann doch Bus. Unendlich lange, unendlich voll, unendlich unbequem. Aber man gewöhnt sich an alles. Auf der fahrt haben wir dann noch etwas von der Umgebung gesehen und da Constanza der einzige Ort in der Dominikanischen Republik ist, an dem Erdbeeren (und anderes Obst und Gemüse) angebaut werden, habe ich auf dem Weg noch eine Erdbeermarmelade gekauft. Schmeckt wie die von Omi!

Hier noch ein paar Eindrücke von Constanza auf der Rückfahrt:

Blick in einen Colmado

Blick in einen Colmado

Feld mit Bewässerung

Feld mit Bewässerung

Im Norden des Landes sind die Straßenschilder von der Rum-Marke Brugal gesponsert

Im Norden des Landes sind die Straßenschilder von der Rum-Marke Brugal gesponsert

Erdbeerenverkauf an der Straße

Erdbeerenverkauf an der Straße

Wer mir sagen kann, was das ist, bekommt 'nen Schluck Rum

Wer mir sagen kann, was das ist, bekommt 'nen Schluck Rum

Kaffeeanbau in den Bergen von Constanza

Kaffeeanbau in den Bergen von Constanza

Das große Krabbeln

Posted: 3. August 2010 in Uncategorized

Ich weiß, ihr wartet alle sehnsüchtig auf den neuesten Eintrag in meinem Blog und schaut täglich mindestens drei mal hier vorbei. Das sehe ich ja in meinem Zähler ;) Eigentlich wollte ich heute auch über alles schreiben, was ich in letzter Zeit erlebt und unternommen habe. Da ich aber um das zu ordnen, Fotos auszusuchen bzw. zu machen und den Text zu schreiben etwas länger brauche und in letzter Zeit, wie ihr ja vielleicht auch schon gemerkt habt, etwas unter einer Schreibblockade leide, warte ich lieber noch ein wenig, bis mich die Muse küsst und schreibe mal über etwas anderes.

Und zwar über Krabbeltierchen, die es hier ja zu genüge gibt und mit denen man sich im weniger karibischen Deutschland nicht so sehr rumschlagen muss. Zum Glück, würde ich sagen. Auf Grund mangelnder Hygiene, undichter Häuser, offener Fenster und schlicht und einfach einem anderen Aufgebot an Sechs- bzw. Acht- bzw. Hundert- oder gar Tausendfüßlern, begegnet man hier des öfteren Tierchen, denen man lieber nie begegnet wäre und bei denen man, auch wenn sie einem kein Haar krümmen können, erstmal einen Panikanfall mit anschließendem Fluchtreflex verspürt. Bis man sich nach ein paar Wochen dran gewöhnt hat und anfängt Namen zu vergeben.

Zu den häufigsten dieser unliebsamen Gesellen zählen hier sicherlich Kakerlaken, liebevoll Cucarachas genannt. Je nach Wohnung, Wetter und Hygiene hat man von diesen mindestens eine bis mehrere monatlich zu verkraften. Mich begrüßte die erste auch direkt am Tag meiner Ankunft. Genauso erwartungsvoll wie der Rest der Familie saß sie in der Dusche und fühlerte mit ihren mindestens 5cm langen Fühlern durch die Gegend. Völlig übermüdet war mir das Tierchen erstmal recht egal, aber meine Gastmutter zog gleich ihren Todeslatschen aus und bescherte dem Gekrabbel ein Ende und mir einen gelb-weißlichen Schleimfleck in der Dusche. Bei der nächsten Kakerlake eine Zeit lang später wollte ich es ihr dann gleichtun, zog meinen Flip Flop aus und näherte mich dem braunen Panzertier. Großer Fehler, denn das Vieh raste auf mich zu und kurz fragte ich mich, ob es mir vllt doch was tun konnte…das Tier schien zumindest davon überzeugt und raste weiter auf mich zu, als wollte es mich mit den Fühlern aufspießen. Ich panisch mit der Sandale hinterher! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell diese Viecher rennen können. Leider eine Eigenart vieler ungeliebter Krabbler…

Irgendwann hatte auch ich dann meinen Glückstreffer gelandet. Glücksgefühl und der Adrenalisnpiegel senkte sich langsam wieder. Leib und Leben waren gerettet. Dachte ich. Aber die Panzer der Tierchen halten, was sie versprechen. Kurz die Fühler gerichtet und weiter gehts. Also gut, diesmal härter zuschlagen. Das die Dinger fliegen können, hatte ich vorher nicht gewusst und so erlitt ich auch den ein oder anderen beinahen Herztod. Irgendwann hatte ichs dann aber drauf mit dem Zermatschen. Nach ein paar Matschflecken hab ichs dann aber auch irgendwann aufgegeben und versucht die Käfer wieder in das Abflußloch, aus dem sie gekrochen waren, zu scheuchen, was meistens auch gut geklappt hat, weil nicht alle so mutige Kamikaze-Krabbler waren. So lange sie keine Gegenstände besetzten, die ich benutzen wollte, ließ ich die Tiere also irgendwann einfach vor sich hinfühlern und bis heute hat mir auch noch keine was getan.

Kakerlake auf meinem Handtuch

Im Gegensatz dazu ist das, was ich eines Tages vor unserem Haus herumtrieb schon eine Nummer gefährlicher und sorgte für mittelgroßes Aufsehen. Den Dominikaner bringt ja an sich wenig aus seinem Plastikstuhl, aber beim Anblick des Hundertfüßlers wurde erstmal schnell das Baby in Sicherheit gebracht. Ich war auch im Zwiespialt zwischen mich-in-Sicherheit-bringen und interessiertes Beobachten, beschloss dann,  das gefährliche Tier etwas näher zu betrachten und ein paar Fotos zu machen und kam zu dem Schluss, dass es den Bordstein eh nie hochkommen würde und deshalb keine Gefahr darstellte. Vorbeikommende Anwohner und meine Familie waren da anderer Meinung und es wurden Geschichten von amputierten Beinen und gestorbenen Kindern nach Hundertfüßlerstichen erzählt. Der hat nämlich am Hinterteil zwei ziemlich große Stacheln, die angeblich auch wirklich ordentlich zustechen können. Das wollte natürlich niemand riskieren und so wurde die Machete gezückt und der Kampf aufgenommen. Ein Kampf war das dann auch wirklich, da sich der Füßler nicht so einfach niederstrecken lassen wollte. Sein Panzer schien relativ hart zu sein und er wandt sich wie eine Schlange. Hätte nur noch gefehlt, dass er gezischt und Feuer gespuckt hätte. Irgendwann hat die Machetenspitze dann doch seinen Panzer durchdrungen und er wurde auf grausame Weise gesteinigt. Da kennen die Dominikaner kein Pardon. Wer Kinder und Beine auf dem Gewissen hat, wird zermatscht. So einen habe ich allerdings in der ganzen Zeit hier nur ein einziges Mal gesehen. Zum Glück…auch wenn ich immernoch der Meinung bin, der hätte nie den Bordstein erklommen und wäre schon wieder abgezogen.

Lebender Hundertfüßler

Brutaler Mord am Cienpie

Reste des Krabbeltieres nachdem es mit einem Stein zermatscht wurde

Die nächste krabbelige Überraschung hatte ich dann eine ganze Weile später. Als ich eines Morgens langsam die Augen aufmachte, sah ich das nahende Unheil schon direkt vor mir. An der Wand neben meinem Bett saß eine Spinne, wie ich sie in der Größe noch nie gesehen hatte. Kurz überprüft, ob ich träume und nach negativem Ergebnis drüber nachgedacht, wie ich das Tier loswerden konnte. Als erste Möglichkeit viel mir die Krabbeltierwaffe Nummer Eins ein: Der Flip Flop. Wird schon nicht so schnell sein wie die Kakerlaken, dachte ich und schlug mal siegessicher zu. Getäuscht. Das Vieh rannte unter dem Schuh weg. So schnell, dass ich nicht einmal sah, wohin. Kein gutes Gefühl, zu wissen eine CD-große Spinne sitzt irgendwo und beobachtet mich aus ihren acht Augen. Doch dann sah ich sie wieder in einer Ecke hocken und wollte erneut zum Angriff ansetzen. Gefährlich streckte die Spinne mir die beiden Vorderbeine entgegen. Tief durchatmen und erneut zuschlagen. Wieder zu langsam, diesmal war sie endgültig irgendwo verschwunden. Nagut dachte ich, geh ich erstmal zur Arbeit, die wird schon wieder abhauen. Als ich zurück kam, wollte ich natürlich als erstes sehen, ob das Tier noch da ist. Tür auf und als hätte die Spinne Spaß daran, mich zu erschrecken, kam sie direkt auf die Vorderseite der Tür gekrabbelt. Tief durchatmen. Ist nur eine Spinne. Mal eben gefragt, ob die gefährlich ist. Nachbarin:“Oh ja, die sind ganz gefährlich, guck mal hier *Narbe zeig*, das war so eine!“ Okay, nochmal tief durchatmen. Gastvater:“ Nee, die tun nix, die Fressen nur Insekten.“ Typisch dominikanische auskünfte eben. Schnell die Aufgabe der Entfernung an die Gastschwester übergeben. Die hat dan erstmal wieder das Baby in Sicherheut gebracht, weil auch sie der Überzeugung war, die Spinne sei gefährlich. Aber auch sie konnte das ekelhafteste von allen Krabbelteieren, denen ich hier begegnet bin nicht erledigen. So musste ich von da an jede nacht mit der Gewisseheit schlafen, dass in meinem Zimmer eine Riesenspinne sitzt, die nur darauf wartet sich im Schlaf auf mich zu stürzen. Nachdem ich sie dann ca. Eine Woche nichtmehr gesehen hatte, konnte ich langsam wieder beruhigt schlafen.

Spinne vom Durchmesser einer CD neben meinem Bett

Den Oberknüller aller Krabbeltiere hatte ich aber zum Glück noch nicht im Haus, auch wenn ich gerade genau dort lebe, wo sich die Tiere am liebsten rumtreiben: Vogelspinnen. Einmal habe ich eine über die Straße krabbeln sehen. Fett, haarig und schwarz und einmal saß eine kleinere vor meinem Haus, aber jedesmal bin ich ihnen nicht wirklich nahe gekommen, auch wenn sie angeblich nicht wirklich gefährlich sind.

Sonst gibt es hier natürlich noch abertausende anderer Krabbeltierchen, von denen die meisten allerdings recht unspektakulär und vor allem ungefährlich sind. Meine Favoriten im Moment sind Käfer, die dem Licht folgend ins Haus kommen, irgendwann auf den Fliesenboden abstürzen, versuchen erneut zu starten und umher zu krabbeln, dann aber innerhalb kürzester Zeit von einer Horde Ameisen auseinandergenommen werden. Ameisen sind hier sowieso die am weitest verbreiteten Krabbler und alles, was länger als 5 Minuten offen rumsteht wird von ihnen überfallen.

Der nächste Beitrag hat dann wieder weniger Beine!

Besser spät, als nie, um mal bei Fionn zu klauen, kommt mal wieder ein Beitrag von mir. Längst überfällig, gibt es natürlich tausend Sachen, die ich erzählen könnte. Vieles ist mittlerweile auch schon so lange her, dass ich mich selbst kaum noch daran erinnern kann und euch deswegen nur kurz davon berichten werde. Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll, weswegen ich einfach mal anhand der Fotos, die ich in letzter Zeit gemacht habe, schauen werde, was so passiert ist.

Es fängt damit an, dass ich nach langer Zeit des Überlegens doch den dominikanischen Haarschnitt ausprobiert habe. Das heißt kurz. Sehr kurz. So kurz wie noch nie und so, dass es kaum noch kürzer geht. Ich wette, der Fußballrasen in Südafrika ist nicht viel kürzer!

Mit diesem neuen Schnitt ging’s dann auch gleich zur Fashion Week in Santo Domingo. Eingeladen von einem Freund, dessen Schwester Designerin ist und dort eine Modenshow hatte, habe ich mich mit Jonathan und Micki auf den Weg gemacht. Natürlich angemessen gestylt! Wenn ich mich hier in einer Hinsicht definitiv verändert habe, dann ist es „Styling“. War es mir vorher ziemlich egal, was ich gerade an hatte und ob die Farben zusammen passten, musste ich hier doch sehr schnell lernen, dass man im ersten Moment hauptsächlich darauf reduziert wird.

So haben wir uns den ganzen Tag angesehen, wie die Models mehr oder weniger professionell und teilweise in sehr ausgefallenen Kleidern über den Laufsteg gallopiert sind. Ich kannte das ganze ja bisher nur von Heidi Klum und ihren „Topmodels“, aber das kam dem schon sehr nahe und teilweise war es wirklich beeindruckend, auch wenn mich die Klamotten größtenteils überhaupt nicht begeistert haben. Ich weiß nicht, wer sowas im Alltag anziehen soll…

Nachdem wir uns dann den ganzen Tag über die Models angeschaut hatten, sind wir am Abend noch zur After-Showparty direkt am Wasser gegangen und haben den Abend dort mit Raggaeton und Presidente ausklingen lassen.

Am 16. Mai waren dann hier die Wahlen, für die schon, seit ich hier im September angekommen bin, Wahlkampf gemacht wird. Bei diesen Wahlen wurden für die Bezirke und Städte Bürgermeister, Senatoren und Regitoren gewählt. Hauptkonkurrenten sind dabei die PRD (weiß) und die PLD (lila), wobei der momentane Präsident des Landes, Leonel Fernandez, der PLD angehört. In der Zeit vor den Wahlen war das Hauptgesprächsthema, ob man weiß oder lila ist. Das ist hier noch weniger vom Programm abhängig, als bei uns und entscheidet sich hauptsächlich durch den Wahlkampf. Dieser wird gerne mit Freibier, Freibenzin, Mützen, T-Shirts und sonstigem, was Mensch gleich anfassen kann, geführt. Sehr beliebt sind auch die sogenannten „Caravanas“, die kurz vor der Wahl in Azua jedes Wochenende statt fanden. Dabei bilden sich riesige Korsos aus allem, was fährt und gerne auch viel Krach macht. Kommt so eine Caravana am Haus einer Familie vorbei, wird sofort alles stehen und liegen gelassen und auf die Straße gerannt. Dabei war für mich die Faszination der Leute für Lärm und Abgase nie wirklich nachzuvollziehen. Aber vielleicht haben ja gerade die Caravanas die Wahlen entschieden. Zumindest haben „Die Lilanen“ in ca. 95% aller Regionen gewonnen, so auch in Azua.

Politik ist hier ein heißes Thema, das auch mal mit Toten enden kann, deshalb war am Wahlwochenende absolutes Musik- und Alkoholverbot und die Colmados haben wahrscheinlich ihr miesestes Wochenende des Jahres gehabt. Ich hab das Wochenende mit Jonathan bei seiner ehemaligen Gastfamilie in Guayacanal Verbracht, einem „Campo“, also Dorf, von Azua. Dort wurde sich nicht wirklich an das Ausschankverbot gehalten, aber es war deutlich ruhiger als sonst. In dem Fitnesstudio, in das ich ab und zu mal gehe, ist das Reden über Politik sowieso grundsätzlich verboten, um eventuellen Auseinandersetzungen gleich vorzubeugen.

Eine einschneidende Änderung hat sich Anfang Mai ergeben. Zu dem Zeitpunkt konnte ich nämlich endlich meine Projektsituation verbessern. Nach sage und schreibe sieben (sieben!) Monaten, in denen ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen dafür gekämpft habe, dass wir unsere Projektsituation verbessern können und endlich sinnvoll abeiten können, habe ich erreicht, dass ich im Rahmen meines vorherigen Projektes zwei Tage (ich wollte fünf…) als „Assistent“ in einem Kindergarten hier in Azua aushelfen kann. Einem Waldorfkindergarten genauer gesagt, der von einem schweizer Ehepaar gegründet wurde und von zwei Waldorfpädagoginnen aus Kolumbien geführt wird. Der Kindergarten ist Teil der Firma Horizontes Organicos ( —Link— ), die hauptsächlich Biobananen, aber auch andere Früchte, wie Mangos und Kokosnüsse, anbaut und exportiert. Wer also mal Biobananen aus der Dominikanischen Republik von Demeter oder so kauft, bekommt vielleicht eine leckere Banane aus Azua und unterstützt damit evtl. Sogar den Kindergarten, der bald zu einer Schule erweitert werden soll.

Der Kindergarten ist für die Kinder der umgebenden Orte und hat im Moment zwei Gruppen mit je ca. 25 Kindern, die grob nach jüngeren und älteren Kindern aufgeteilt sind. Er ist kostenlos und es besteht die Möglichkeit, dass die Kinder zuhause abgeholt und wieder dorthin gebracht werden, was allerdings 200 Peso im Monat kostet, ca. 4 Euro und sich auch alle Eltern leisten. Soweit ich weiß, ist es der einzige Waldorfkindergarten in der Dominikanischen Republik, weshalb die „Erzieherinnen“ auch aus Kolumbien kommen, da in Lateinamerika Waldorfpädagogik mittlerweile viel verbreiteter ist. Der Kindergarten erinnert auch sehr an die Waldorfeinrichtungen, die ich in Deutschland bisher kennenlernen konnte, von der Form des Gebäudes bis hin zu der Einrichtung und den Spielsachen, was für die Dominiknische Republik teilweise sehr außergewöhnlich erscheint. Wenn dann nämlich die kleinen Machojungs mit selbstgenähten Stoffpüppchen spielen und Filztäschchen nähen sollen, kommen sie oft mit den Rollenbildern in Konflikt, die sie von Brüdern und sonstigen Älteren vorgeführt bekommen. Die dominikanische ist halt doch eine Macho-Kultur. Allerdings funktioniert das überraschend gut, auch wenn die Erzieherin mit den 25 Kindern oft völlig überfordert ist und ich das erste mal richtig arbeiten kann. Juhu! Nach 7 Monaten! 2 Tage die Woche! Danke AFS! Seitenlanges Aufregen über AFS, ADR und sonstige Verantwortliche spare ich mir an dieser Stelle. Ich möchte euch ja nicht langweilen und eventuelle Freiwillige nicht abschrecken, es sind ja wie gesagt auch nur meine Erfahrungen und ich möchte das nicht verallgemeinern.

Der Alltag im Kindergarten sieht so aus, dass die Kinder grundsätzlich frei spielen können und einige Kinder, je nach Erzieher-Verfügbarkeit, Mal- oder Bastelarbeiten machen. Währenddessen macht die zweite „Erzieherin“, die auch für die Küche zuständig ist, mit ein paar Kindern eine kleine Mahlzeit, die es dann meist so gegen 10 Uhr gibt. Das sind dann frisch gebackene vollkorn (ja, vollkorn! Gibt’s sonst hier nicht wirklich) Brötchen, Kuchen, Sandwiches oder sonstige leckere Kleinigkeiten. Dazu immer frischen Fruchtsaft, oft aus den Früchten, die direkt um den Kindergarten wachsen, hauptsächlich Mangos, Papayas und Bananen, aber gerne auch mal Tamarind oder die frisch von der hauseigenen Kuh gemolkene Milch, aus der auch Butter für die leckeren Brötchen gemacht wird. Es geht also alles getreu den Waldorf-Leitlinien, auch wenn die natürlich landestypisch angepasst werden müssen. Mir macht die Arbeit mit den Kindern superviel Spaß, vor allem, weil es eine tolle Arbeitsumgebung ist und ich endlich sinnvoll helfen kann und eine schöne Alternative zu dem tristen Büroalltag an meiner anderen Arbeit habe. An diese gehe ich jeden Tag mit weniger Motivation und eigentlich warte ich jeden Tag nur noch darauf, dass es endlich vier Uhr ist und ich nach Hause gehen kann. Es ist traurig, dass das mit der Projektsituation so schlecht gelaufen ist, aber wir haben ziemlich früh gemerkt, dass man auch so das beste aus der Situation machen kann und uns dementsprechend ausgleichende Möglichkeiten gesucht.

Aber zurück zu den Waldorf-Brötchen. Nach dem Essen geht’s dann in die Pause, in der die Kinder draußen toben und spielen können. Danach ist dann wieder Freies Spielen und Arbeiten angesagt, bis es dann irgendwann nach Hause geht. Zwischendurch wird auch viel gesungen und „getanzt“, was einige Kinder mit weniger Begeisterung mitmachen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass alle Kinder gerne dorthin gehen, da sie dort ein Angebot finden, welches sie sonst zuhause nicht hätten. Einige Kinder sind auch von den Arbeitern der Bananenplantage, die oft direkt dort wohnen und sehr oft Haitianer sind. Manche von ihnen können kaum Spanisch und sind deswegen noch sehr ruhig. Ich habe aber in den zwei Monaten, die ich bis jetzt dort bin, schon mitbekommen, wie rasend schnell sich das ändert und die Kinder die Sprache lernen und „auftauen“.

Apropos Haiti…eigentlich wollten wir zum Ende unseres Aufenthaltes hier auch noch mal mit der Organisation „Un Techo para mi pais“ nach Haiti zum Wiederaufbau fahren, aber eine bestimmte Organisation in der Dominikanischen Republik, die mit A anfängt und mit FS aufhört, hat uns das leider verboten. Es ist schade, wie wir hier immer wieder schikaniert und wie Kleinkinder behandelt werden und vor allem daran gehindert werden, hier endlich mal sinnvoll zu arbeiten.

Aber bevor ich mich hier wieder in Rage schreibe, ein paar Bilder vom Kindergarten:

Das war’s auch erstmal schon wieder, auch wenn ich noch viel mehr schreiben könnte. Ich werde versuchen in der knappen Zeit, die mir noch bleibt, nochmal öfter zu bloggen, es gibt noch ein paar Dinge, die ich noch nicht erzählt habe und meine wenigen verbleibenden Wochen möchte ich natürlich auch noch ausgiebig nutzen, bevor es dann am 19. August wieder in die Heimat geht. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die Zeit rast und ich das, was ich noch alles vor habe, garnicht mehr in der Zeit schaffe, andererseits freue ich mich aber auch schon wieder sehr auf Deutschland. Natürlich verfolgen wir hier auch fleißig die WM mit und sind bei jedem Deutschland-Spiel mit allen zusammen im Centro Dominico-Aleman in Santo Domingo, um kräftig anzufeuern. Ich will ja mal hoffen, dass es da noch ein paar Gelegenhaiten geben wird!

Schlaaand! *Trööööööt*

Lang, lang ist’s her, seit ich den letzten Blogeintrag geschrieben habe. Das war noch vor dem Besuch meiner Freundin Ann. Über unseren gemeinsamen Urlaub in einem der tausend All Inclusive-Ressorts möchte ich eigentlich gar nicht so viel schreiben, außer, dass es traumhaft schön und viel zu kurz war. Die zwei Wochen Luxus waren für mich Urlaub pur, auch wenn das aus DEM Urlaubsland schlechthin vielleicht etwas unglaubwürdig klingt. Aber rund um die Uhr Strom und warmes, fließendes Wasser sind für mich mittlerweile eben auch etwas besonderes geworden, was man sehr zu schätzen lernen kann. Ebenso natürlich das reichhaltige Essens- und Getränkeangebot. Von Reis und Bohnen sowie zermatschten Platanos habe ich die meiste Zeit die Finger gelassen.
Zusammen haben wir einige Ausflüge unternommen, unter anderem auf die Isla Saona, in meine „Heimatstadt“ Azua und in die Hauptstadt Santo Domingo. Mir war es wichtig, dass ich meiner Freundin das Land und die Kultur auch außerhalb der Hotelmauern näher bringen konnte. Vielleicht habe ich dabei manchmal vergessen, dass vieles für mich schon normal ist und ihr dadurch etwas zu viel zugemutet, aber ich denke, dass es nicht schlecht war, dass sie selbst gesehen hat, wie ich und der Rest der Menschen hier leben und dass der Großteil des Landes nicht aus weißen Palmenstränden und azurblauem Meer besteht.
So gingen die zwei Wochen zusammen leider wie im Flug vorbei und jetzt heißt es die restlichen 5 Monate wieder tausende von Kilometer getrennt zu verbringen. Aber auch das letzte Stück werden wir noch meistern.

In Altos de Chavon vor dem Panorama des Rio Chavon, in dessen Tal eine Szene des Films "Armageddon" gedreht wurde.

Auf der Isla Saona

Sonnenuntergang an unserem Hotelstrand

Mit dem Baby meiner Gastschwester - schonmal Probehalten.

Die Regenzeit ist anscheinend nach längerem Warten und angeblich sogar teilweisem Rindersterben durch Trockenheit, auch angekommen und es Regnet gerade aus sämtlichen Eimern, die der karibische Himmel über dem wolkenbehangenen Azua zu bieten hat.
Nach dem Urlaub hieß es für mich wieder Arbeiten. Der Übergang fiel mir reichlich schwer, da mein Projekt ja leider immer noch nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Mit weiteren Schikanen hat AFS DomRep und der ADR (Unsere Projektgeber) auch dafür gesorgt, dass das vorerst so bleiben soll. So ist ein Projektwechsel ausgeschlossen worden und die Suche nach Zweitprojekten auf zwei Nachmittage beschränkt worden, was man auch genauso gut lassen kann. Da ich davon ausgehe, dass meine Chefin dank fehlender Kommunikation mit Santo Domingo, davon gar nichts weiß, werde ich diese Woche noch mit ihr darüber verhandeln, ob ich nicht wenigstens für 2-3 Tage einer anderen Arbeit nachgehen kann. Ich fühle mich zwar wohl in meinem Projekt, allerdings würde ich gerne auch noch mal etwas anderes kennen lernen. Außerdem bin ich der Meinung, dass unser Projekt (zumindest im Falle der meisten Freiwilligen hier) falsch ausgewählt ist. Das nur kurz zur Kenntnis aller BMZ und AFS Mitarbeiter sowie zukünftiger DomRep-Freiwilligen des ADR. Es gibt im Land tausende Projekte, die unsere Hilfe mehr gebrauchen könnten, die sie aber auf Grund deutscher Bürokratie nie empfangen werden. Zumindest nicht offiziell, was natürlich sehr schade ist. Andererseits bietet mir der Zustand auf Arbeit im Moment genügend Gelegenheit mich mit meinem zukünftigen Studium auseinander zu setzen.
Freizeitmäßig habe ich seit einer Woche wieder das regelmäßige Laufen angefangen, in der Gruppe, mit der ich auch vorher schon fleißig trainiert habe. Von dieser hatten alle nach meiner mehrmonatigen Abwesenheit schon damit gerechnet, dass ich längst wieder in Alemania sei. Meinen Spanischkurs, der zu 98% im Internet stattfindet verfolge ich auch eher mit dominikanischer Einstellung zur Sache: Mañana (morgen).
Aus dem Urlaub kam ich dann auch direkt in die Semana Santa zurück nach Azua. Semana Santa ist hier die Osterwoche und wird traditionell am Strand verbracht. Das ist auch so ungefähr das einzige Mal für viele Dominikaner, dass sie den nahe gelegenen Strand besuchen. Meine Familie hat auch diese Woche wie jede andere im Jahr verbracht: Zu Hause im Plastikstuhl.
Mit einigen anderen bin ich dagegen auch mal einen Samstag an einen Strand gefahren und war ziemlich Überrascht von der Menschenmenge. Die sonst so wasserscheuen Dominikaner waren sogar teilweise im Wasser und die unter ihnen, die schwimmen können, sogar relativ weit draußen. Natürlich gab es auch wieder überall Musik, teilweise sogar live Merengue am Strand und auch Bier und Rum durfte nicht fehlen. Das Essen nehmen so gut wie alle Familien mit an den Strand. Meistens natürlich der geliebte Reis mit Bohnen, auch „Morro“ genannt. Ein für die Semana Santa typisches Gericht ist „Habichuela con Dulce“ (wörtlich: „Bohnen mit Süßem“), was eine Art Suppe aus den typischen roten Bohnen, Kokos, Zimt, Nelken und je nach Hausrezept noch anderen Zutaten ist, die traditionell jede Familie zuhause macht und dann an ihre Nachbarn weitergibt. Leider ist diese Tradition aber schon so weit verkommen, dass mittlerweile wenige Familien riesige Mengen davon produzieren und viele Familien diese dankend annehmen. Für mich schmeckt die „Habichuela con Dulce“ sehr nach Weihnachten, wie sowieso alles was Zimt und Nelken beinhaltet. Den Spaß damit hat man angeblich auch erst am nächsten Tag beim Gang zum Klo.
Da sonst nicht viel passiert ist hier in letzter Zeit und es gut zum Thema passt, kommt jetzt noch ein kurzer Bericht aus Azua. Diesmal passend zum Thema: Der Strand.
Jeder, der regelmäßig meine Beiträge ließt – zumindest so regelmäßig, wie sie erscheinen – oder wer sich Azua schon mal auf einer Karte der Dominikanischen Republik angeschaut hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass A-Town, wie ich meine lieb gewonnene Stadt mittlerweile nenne, je nach Auflösung der Karte mehr oder weniger direkt am Meer liegt. Wer eins und eins zusammenzählt, der wird bei einem Strand im karibischen Meer an weiße Sandstrände und Palmen denken. So nicht in Azua. Der Strand liegt so weit entfernt, dass eine Fahrt auf dem Motoconcho schon mal ein kleines Vermögen kosten kann (ca. 10 km = 150 Peso/3 Euro eine Fahrt). So kommen die meisten Azuanos dort auch höchstens mal am Wochenende mit dem privaten Vehiculo hin. Der Hauptstrand an sich, mit Namen „Monte Rio“, ist allerdings alles andere als ein karibischer Traumstrand, eher noch ein karibischer Trauerstrand. In der weiten Bucht ist das Wasser so trüb, dass von blau keine Rede mehr sein kann und der Strand bietet zwar keine Palmen, dafür aber unheimlich viel Müll und um die Essensstände streunende Hunde. Die paar Mal, die ich bisher dort war, sind wir dann auch immer ein kleines Stück weiter in eine kleine Bucht gegangen, deren Strand aus tausenden Korallenstückchen und kleinen Steinchen besteht. Ist zwar etwas ungemütlich, aber viel schöner und das Wasser auch direkt viel klarer.

Blick über die Bucht von Azua

Blick vom Strand "Playa Blanca" auf's Meer.

Müll gibt’s leider auch dort genug. Die Dominikaner scheinen dafür kein Bewusstsein zu haben und so findet sich dort vom Schuh bis zum Kamm alles, was man irgendwie loswerden kann.

Müllberg am Strand von Azua.

Strandaussicht mit Müll

In diese abgelegenere Bucht kommen auch viele Pärchen, um im Wasser des Meeres oder den umgebenden Büschen etwas intimer zu werden. Wegen der krassen dominikanischen Doppelmoral, in der ständig über Sex geredet oder im Raggaeton gesungen wird, aber im familiären Alltag völliges Tabu ist, kann man sich als Dominikaner auf keinen Fall mit Freund oder Freundin im Eigenheim sexuell ausleben. Man sieht auch kaum öffentlich küssende oder Händchen haltende Pärchen. In der dominikanischen Öffentlichkeit und vor allem der Familie sind Beziehungen und vor allem Sex immer noch ein ziemliches Tabu. Deswegen weichen viele Jugendliche eben auf abgelegene Orte und das Meer aus und die besser betuchten suchen die sogenannten Cabañas (spezielle Stundenhotels) auf. Wenn dann mal wieder eine Tochter mit 16 schwanger wird, wird das Thema totgeschwiegen, als glaube man immer noch an die jungfräuliche Empfängnis. Allerdings bringt eben diese Doppelmoral wohl auch viele Jugendliche in Schwierigkeiten: Man kann sich hier ja kein Kondom kaufen, ohne dass es hinterher halb Azua weiß.
Aber zurück zum Strand: Denkt man sich den Müll weg, ist der Strand im ganzen Land eigentlich wirklich schön und sehr abwechslungsreich. Auch in Azua. Hier gibt es auch immer noch einige Fischer und eine Spezialität hier ist der frittierte Fisch, der überall am Straßenrand und am Strand, zusammen mit allerlei anderen frittierten Leckereien, angeboten wird. Auch sieht man oft Langusten und große Fische, die Frisch an der Straße zum Verkauf angeboten werden.

Frittierter Fisch - nicht von Maggi, sondern aus Azua.

Trotz der relativen Nähe, war ich aber wie gesagt auch noch nicht so oft an Strand von Azua, da es doch schönere Strände gibt. Der Müll macht eben doch vieles kaputt. Dieses Problem hat aber nicht nur Azua, sondern viele Strände und überhaupt die ganze Dominikanische Republik.

Ich am Strand von Azua.

Ferien

Posted: 18. März 2010 in Uncategorized

Ab heute bin ich für 2 Wochen im Urlaub. Ich bekomme netten Besuch aus Deutschland und weiß nicht, ob ich in der Zeit was von mir hören lasse ;P

Bis in zwei Wochen dann,
Felix

Posted: 17. März 2010 in Uncategorized

Titel Kopie

Was am 12. Januar 2010 in Haiti passiert ist, hat vermutlich die ganze Welt mitbekommen. Einige früher, andere später. Ich gehörte, obwohl ich zurzeit in der Dominikanischen Republik lebe, zu denjenigen, die es später mitbekommen haben, nämlich ca. eine Stunde später. Ich war gerade Laufen und als ich nach hause kam, waren in meiner Familie alle ganz aufgeregt und erzählten mir in Haiti wäre ein Krankenhaus eingestürzt und ob ich denn nicht gemerkt hätte, wie sich die Erde bewegt hat. Nö – hatte ich nicht. Ich bin dann erstmal ins Internet gegangen und hab geschaut, was passiert ist. Dort habe ich dann von dem Erdbeben erfahren und das es wohl ziemlich heftig war, das Ausmaß der Katastrophe war zu der Zeit aber noch lange nicht abzusehen. Da ich hier nichts gespürt hatte, dachte ich eigentlich auch, dass es ja nicht so schlimm gewesen sein konnte, sonst hätte man es ja hier auch stärker gesehen. In den nächsten Tagen sollte sich dann herausstellen, dass es eine der schlimmsten Katastrophen dieses Landes werden sollte. Haiti ist als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre schon seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1804, nach dem Sieg über Engländer und Franzosen 1791, ein „gescheiterter Staat“. Durch die von Frankreich auferlegten Schulden als Zahlung für die Unabhängigkeit, ausbeutenden Diktatoren, teils sogar mit amerikanischer Hilfe, die Haiti lange Zeit als Bollwerk gegen Fidel Castro ansahen und unzählige Naturkatastrophen wie Wirbelstürme und Erdbeben, konnte sich Haiti nie wirklich aufrappeln. Seit 2004 wird das Land von der UN-Blauhelmmission MINUSTAH mitregiert und war auf einem guten Weg. Bandenkriminalität, Entführungen und Korruption verschwanden langsam aber spürbar und auch der Tourismus hatte Haiti wiederentdeckt. Denn normalerweise kennt man die Karibikregion ja nur als Touristenziel und Ressorthochburg, was die Dominikanische Republik, die selbst einiges an Armut und Problemen aufweisen kann, ja auch ist.

Meerblick vom Strand unseres Camps

Heute leben in Haiti ca. 9,5 Millionen Menschen, von denen ungefähr 40% unter 14 Jahre alt sind (DR: 32%). Die Lebenserwartung beträgt 57 Jahre und weniger als die Hälfte aller Kinder gehen zur Schule. Diejenigen, die zur Schule gehen, sprechen dann auch Französisch und lernen manchmal sogar Englisch und Spanisch, der andere Teil spricht nur Creol, was eine Mischung aus Französisch und Afrikanischen Sprachen ist, da die Bevölkerung Haitis hauptsächlich aus Nachkommen afrikanischer Sklaven besteht. Die afrikanischen Wurzeln sind auch oft noch zu sehen, zum Beispiel beim Voodoo-Aberglaube oder der Musik und Tanz. 80% der Bevölkerung leben mit weniger als zwei Dollar am Tag und ca. die Hälfte mit weniger als einem Dollar. Der Human Development Index, der ganz grob gesagt die menschliche Entwicklung in Ländern beschreibt, lag im Jahr 2005 bei 0,529. Dahinter kommen nur noch wenige Afrikanische Länder.

Das alles macht deutlich, dass das Land vor allem von Armut, politischer Unstabilität und Klassenunterschied geprägt ist, dem eine Mittelschicht fehlt, was ein Grund für die weit reichende Kriminalität ist.

Aufruf unter dem Motto:"Die Erde bewegte sich, damit wir auf Haiti schauen. Wir bewegen uns für den Wiederaufbau."

Vom 26. Februar bis zum 1. März war ich selbst in Haiti, um mit anderen Freiwilligen dort Notunterkünfte zu bauen, wie ich es vorher schon einmal in Santo Domingo gemacht hatte und auch, um mir selbst ein Bild von diesem Land zu machen. Im Vorhinein hatte ich mir das gut überlegt und trotz einiger Besorgnis aus Deutschland habe ich mich dann auch mit 4 anderen deutschen Freiwilligen entschlossen dorthin zu fahren. Also habe ich alles mit unserer Krankenversicherung geklärt und mich an die Vorbereitungen gemacht.

Organisiert war das ganze wieder von der Lateinamerikanischen Organisation „Un techo para mi País“ („Ein Dach für mein Land“), von dessen Team ich mittlerweile auch ganz gut mit einigen Mitgliedern befreundet bin. Losgehen sollte es am 26. Um 3 Uhr morgens. Vorher hatte ich mir noch einen Hammer und Handschuhe besorgt und den Schlafsack hatte ich noch vom Pico Duarte. Wir waren alle schon ein wenig aufgeregt, was uns erwarten würde, da auch wir nur die Bilder aus dem (dominikanischen) Fernsehen, in dem Leichen unverhüllt gezeigt werden und den Zeitungen kannten. Also entschieden wir uns dafür vor 3 Uhr nicht mehr zu schlafen und gingen dann direkt zum Treffpunkt. Dort waren auch schon einige Freiwillige, die die Anmeldung regelten, das Essen und Wasser verstauten und sich auch einfach nur kennen lernten. Nahrungsmittel und Wasser wurde alles selbst mitgenommen, da wir so unabhängig wie möglich sein wollten. Jeder Freiwillige sollte ein halbes Libra Reis, 5 Dosen Thunfisch und 5 Liter Wasser mitnehmen. Dazu kam dann noch das, was Un Techo para mi País mitgebracht hat. Erstaunlich war auch, wie viele Haitianische Studenten aus Santo Domingo mitkamen, woran ich erst gar nicht gedacht hatte, was sich später aber als sehr sehr gut herausstellte.

Mit typisch dominikanischer, bzw. lateinamerikanischer Verspätung (da das Team aus Chilenen, Uruguayanern, Peruanern und Mexikanern bestand), ging es dann auch mit ca. 150 Leuten Richtung Haitianischer Grenze in Jimani. Gerechnet wurde eigentlich mit 300 Freiwilligen, was aber im Endeffekt keine negativen Auswirkungen hatte. Die Freiwilligen kamen dabei aus vielen Teilen Lateinamerikas und auch ein französisches Pärchen in unserem Alter war dabei. Die ersten Stunden in dem ziemlich bequemen Bus habe ich genutzt um den verlorenen Schlaf nachzuholen. Kurz vor der Grenze bin ich dann wieder aufgewacht. Da war es dann auch schon hell und es bot sich ein ziemlich chaotisches Bild. Überall standen voll beladene LKWs, Kleinbusse und Motorräder, die sich zwischen all dem durschlängelten. Über und flogen ständig Hubschrauber und die Gegend war staubig und trocken. Für den Grenzübergang brauchten wir eine gefühlte Ewigkeit, da wir uns immer nur stückchenweise fortbewegen konnten. Die Grenze dort gleicht einem kleinen Marktplatz und die Unterschiede zur Dominikanischen Republik werden gleich bemerkbar. Die Haitianer sind viel dunkler und haben strengere Gesichtszüge als die Dominikaner, aber auch die Höhere Armut zeigt sich.

Die Grenze besteht dann aus einer schmalen Straße auf deren rechten Seite sich ein See und der linken Seite ein Berg befindet. So fuhren wir dann ins Land hinein. Am Anfang schien alles, wie in der Dominikanischen Republik – nur auf Französisch. Dabei hab ich schon gemerkt, dass meine Französischkenntnisse stark nachgelassen haben. Ich kann quasi nichts mehr sagen und verstehe kaum noch etwas. Umso weiter man ins Land reinkommt macht sich aber die Armut sofort bemerkbar und auch die ersten Erdbebenschäden waren zu sehen. Unser erstes Ziel war der Parkplatz der amerikanischen Botschaft, wo wir in andere Busse umsteigen sollten. Von dort aus ging es dann in Richtung der Provinz Grand Goave, in der wir für 20 Familien Notunterkünfte bauen wollten. Dass die Häuser für viele der Familien aber mehr als nur Notunterkünfte sein sollten, zeigte sich schon beim Anblick der Wellblechhütten, in denen die Leute dort sonst oft wohnen. Un techo para mi País plant in diesem Jahr 2000 dieser Notunterkünfte in unzähligen Konstruktionen für die gesamte Comunidad in Grand Goave und in den nächsten vier Jahren 10.000 Häuser für 10.000 Familien zu errichten. Ob diese Ziele zu hoch angesetzt sind kann ich im Moment noch nicht sagen und hängt vor allem von der Aktivität und Motivation der, hauptsächlich dominikanischen, Freiwilligen ab. Auch das ist schon eine beeindruckende Sache, da das Verhältnis zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti vor dem Erdbeben nicht unbedingt das Beste war. Jetzt Haitianer und Dominikaner zusammen voll motiviert für ihre „Brüder“ (von beiden Seiten gesagt) arbeiten zu sehen ist schon toll und sowieso die Hilfsbereitschaft der Dominikaner in den ersten Tagen war wirklich überwältigend. Ich habe im Radio eine Sendung gehört, da haben teilweise Leute gespendet, die selbst kaum etwas haben, nur um einen symbolischen Hilfsbeitrag und damit ein Zeichen zur Verbrüderung zu geben. Hier werden Haitianer häufig wie Tiere behandelt und hauptsächlich in harten körperlichen Tätigkeiten eingesetzt und auch hier gibt es viele Leute, die das Erdbeben als Strafe Gottes ansehen, dass die Haitianer mit ihrem „Voodoo-Zauber“ und „schwarzer Magie“ provoziert hätten.

Straßenverkäuferin in Port-au-Prince

Umgekipptes Haus in Port-au-Prince

Geschäftiges Treiben

Die Busse, die anscheinend zum Kontingent der UNO zählten, fuhren dann einmal durch Port-au-Prince. Dabei sahen wir erstmals das komplette Ausmaß der Zerstörung und alles kam mir durch das Fenster des Busses wie im Fernsehen vor. Es kam gar nicht so wirklich an mich ran, obwohl ich das, was ich da gesehen habe, wirklich das krasseste war, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Die Armut, die Enttäuschung, Angst und Hoffnung in den Gesichtern der Menschen auf der Straße, zwischen Müll, Schutt und dem langsam wieder auflebenden Alltag, ließ mir die Kinnlade runterfallen ohne dass ich es merkte. Ich überlege, gerade, wie ich das alles am besten in Worte fassen kann, aber ich glaube das ist unmöglich. Was für mich aber klar ist, ist, dass die Berichterstattung der Medien hauptsächlich auf den schlimmsten und medienwirksamsten Bildern besteht. Was dazwischen passiert und den Großteil der momentanen Situation bildet, bleibt oft unbeachtet. Mir kamen die Menschen dort vor wie Ameisen, deren Bau jemand mutwillig zerstört hat und die sofort wieder anfangen ihn aufzubauen. So waren auch in Port-au-Prince tausende Leute damit beschäftigt, Beton von Steinen zu klopfen und diese aufzureihen, Trümmer in Schubkarren wegzufahren, Eisenteile aus dem Beton zu fischen, Abwassergräben zu buddeln und vor allem Waren zu verkaufen. Überall auf der Straße herrschte geschäftiges Treiben und die Leute fingen wieder an, alles was irgendwie Wert hat, zu verkaufen. Die GuaGuas, die dort Tap-Taps heißen und viel schöner, da bunt bemalt, als in der Dominikanischen Republik sind, fahren wieder und alles was noch irgend brauchbar ist, wird aus den Trümmern gefischt.

Typisches Tap-Tap

Auch in den Trümmern wird wieder gearbeitet.

Eines von tausenden eingestürzten Häusern in Port-au-Prince

Aber auch die schreckliche Seite ist noch gut sichtbar. Die Leute wohnen auf der Straße unter aufgespannten Bettlaken, da ihre Häuser entweder nur noch Schutthaufen sind oder sie Angst haben in ihre noch stehenden Häuser zurückzukehren. Beim Geruch in den Straßen bleibt einem an manchen Stellen der Atem weg oder ein starker Brechreiz tritt auf. Dabei kommt dieser nicht mehr von den Leichen, davon habe ich (zum Glück) keine einzige gesehen, sondern vom Müll, der überall, teilweise in riesigen Bergen auf der Straße liegt und vor sich hin qualmt. Über der ganzen Stadt hing ein grauer Schleier, der alles noch viel trister aussehen ließ. Wie auch hier in der DR kommen die Leute an die Fenster der Busse und versuchen einem alles zu verkaufen, was sich finden lässt. Gegen 4 Uhr nachmittags, also nach ca. 12 Stunden Busfahrt, die sonst nicht länger als 8 Stunden dauert, kamen wir dann in der Comunidad Grans Goave an. Vorbei an unzähligen völlig zerstörten Häusern. Ich glaube ich habe auf der Fahrt zwischen Port-au-Prince und Grand Goave nicht ein Haus gesehen, das noch stand. Aber auch vorbei an unzähligen Camps von Hilfsorganisationen und Ländern (u.a. auch dem deutschen Camp in Leogane), Zeltplätzen mit gespendeten Zelten, UN-Fahrzeugen und US-Soldaten und improvisierten Lagern aus höchstens vor Sonne schützenden Laken ging es dann in eine immer ländlichere Gegend, wo wir schließlich dort ankamen, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen sollten, bevor es dann am Montag dem ersten März wieder Richtung „Heimat“ gehen sollte.

Wir bauten unsere Zelte auf zwei Geländen früherer, kleiner Hotels auf, welche direkt am Meer lagen. Der Anblick dort hätte locker gereicht um jährlich ein paar Millionen Touristen anzulocken. Noch am selben Tag wurden wir auf die zwei „Schulen“ verteilt, die jeweils selbstständig organisiert waren. Dort gab es dann auch noch etwas zu essen und zu trinken und Jonathan und ich fanden einen Schlafplatz bei einem Dominikaner im Zelt. Nicht alle hatten an diesem Abend das Glück ein Platz im zelt zu bekommen, weshalb sich viele Draußen unter zwei kleine Wellblechdächer legten. In das Haus, welches früher einmal ein Hotel war und eigentlich keine sichtbaren Schäden hatte, traute sich an dem Abend niemand. Da es am nächsten morgen um 5 Uhr losgehen sollte, wuschen wir uns auch nur noch kurz im Meer (Duschwasser war noch nicht da) und gingen schlafen.

Am nächsten morgen gab’s dann erstmal Frühstück. Ich erwähne jetzt gar nicht jedes Mal, um wie viel Stunden sich alles auf Grund dominikanischer Mentalität verschob ;)

Danach wurden wir in zehn Gruppen, den Cuadrillas, eingeteilt, in denen wir dann in den kommenden 48 Stunden in zwei Schichten von – theoretisch – zwei mal 12 Stunden, in 5er und 6er Gruppen mit jeweils einem Teamchef ein Haus bauen sollten. Die Teams bestanden dabei aus Menschen jeden alters, jeder Hautfarbe und jeder Herkunft. Von 16 bis knapp 60 waren Haitianer, Dominikaner, Mexikaner, Chilenen, Peruaner, Uruguayaner, Argentinier, El Salvadorianer (?), Franzosen und Deutsche angereist, um in Haiti die ersten 20 festen Unterkünfte zu errichten. Ja, richtig gelesen: Die ersten 20 festen Unterkünfte, also keine Zelte oder sonstiges, sondern Unterkünfte, die mindestens die nächsten sieben bis acht Jahre problemlos überdauern. Dass wir die ersten waren, die also zukunftssichere Unterkünfte im Land errichten sollten, spornte die Motivation, die sowieso schon riesig war, nochmals an.

Mein Team bestand dann aus einer älteren Dominikanerin, zwei dominikanischen Studentinnen, eine davon Teamchefin, einem haitianischen Studenten, einem französischen Studenten und mir. Auf Landestypischen Transport-LKWs und Bussen ging es dann zu dem Ort, an dem die Häuser gebaut werden sollten. Dieser lag etwa 5 Km von unserem Camp entfernt. Dort angekommen, wurden die Teams dann den Familien zugeteilt, mit denen gemeinsam sie die Häuser bauen sollten. Teil des Projekts ist es, dass die Familien mit den Freiwilligen zusammen die Häuser bauen und manchmal sogar einen kleinen Teil selbst finanzieren müssen (in Haiti nicht der Fall), damit sie das Haus auch wertschätzen können und nicht als Geschenk unachtsam behandeln. Die Häuser bestehen aus vorgefertigten, genau abgezählten Teilen und werden von diversen Sponsoren bezahlt. Wer dazu etwas beitragen möchte, kann dies unter www.untechoparamipais.org in Form einer Spende tun.

Meine "Cuadrilla"

Auf dem Weg zum Ort der Konstruktion

Die Familie, mit der wir die nächsten Tage verbringen sollten empfing uns auch sehr freundlich, wenn anfangs auch noch etwas zurückhaltend. Aus wie vielen Mitgliedern sie bestand wurde mir erst am Schluss klar. Nämlich aus acht, was schon für das frühere Haus ziemlich viele gewesen sein muss. Das neue Haus sollte direkt neben dem alten Haus gebaut werden. Besser gesagt allerdings neben den Überresten des alten Hauses. Außer den Stützpfeilern, die dünn mit Stahl verstärkt waren und dem notdürftig reparierten Wellblechdach, stand von dem Haus nämlich so gut wie nichts mehr. Die Habseligkeiten der Familie waren zusammengeklaubt unter Tüchern gelagert.

Die Mutter der Familie begann gleich damit Kaffee zu kochen und scheute auch sonst keine Mühe uns alles in ihrer macht stehende zu besorgen.

Der Vater und dessen Bruder und Sohn dagegen kamen uns gleich zur Hilfe beim Bauen, wobei wir den Vater auf Grund einer halbseitigen Lähmung gleich erstmal etwas zur Vernunft bringen mussten, da sein Ehrgeiz uns zu helfen größer als seine körperlichen Kapazitäten war, was ihm sichtlich schwer fiel. Nach der Stärkung durch den Kaffee ging’s dann ans Bauen.

Die Mutter der Familie kocht frischen Kaffee für den Bautrupp

Das Hab und Gut der Familie in den Ruinen ihres Hauses

Die Überbleibsel des alten Hauses und links daneben der Bauplatz des neuen Hauses.

Die Teamchefin hat dabei eine nicht zu missachtende Funktion, bei 5 anderen, die noch nie so ein Haus aufgebaut haben. Im Grunde ist es zwar nicht so schwer und für IKEA-geübte auch nichts neues, aber trotzdem können Fehler passieren, die am Ende viel Zeit kosten und ärgerlich sind. Man hat auch gemerkt, dass der Familie das ganze sehr wichtig war, da die Männer immer sehr genau geschaut haben, was wir gemacht haben und dass auch ja alles richtig sitzt. Einer von ihnen war allerdings auch Zimmermann, was uns sehr zu Gute kam. Ich habe dann noch ein Bisschen deutsche Genauigkeit mit eingebracht und so kamen wir gut voran. Gut voran heißt dabei, dass wir am ersten Tag die 15 Stützpfeiler in den Boden bekamen und die zwei 3 x 3 Meter großen Bodenplatten darauf befestigen konnten. Gerade die Pfeiler sind in der heißen Sonne eine elende Quälerei, da sie 60 cm tief in den Boden eingegraben werden und dabei auch gut und gerne mal riesige Steine die Arbeit erschweren. Als Werkzeuge standen uns dabei von „Techo“ bereitgestellte Spitzhacke, schwere angespitzte Metallstangen und „Greifer-Schaufeln“ zur Verfügung. Ein Haus ist 18 m² groß und hat eine Fläche von 6 x 3 Metern. Es steht dabei auf 15 Pfosten, die die zwei 3 x 3 m großen Bodenplatten tragen. Darauf kommen dann 6 vorgefertigte Wandteile mit Tür und Fenstern und am Schluss ein Wellblechdach. Die Planung sieht vor, dass am ersten Tag die Pfosten und Bodenplatten fertig gestellt werden und am zweiten Tag die Wände und das Dach. Das klappt eigentlich auch immer ganz gut in den bunt gemischten Teams, ich behaupte allerdings, dass man mit einem geübten Team so ein Haus auch an einem Tag fertig stellen kann. Meine Gruppe hat zusammen mit den haitianischen Familienmitgliedern auch wirklich sehr gut gearbeitet. Dabei hat der haitianische Student ein Großteil der Kommunikation übernommen und wir alle auch ein paar Worte Creol gelernt, da aus der Familie niemand Spanisch oder Englisch konnte. Das Mittagessen hatten wir in Form von Reis und Würstchen selbst mitgebracht und die Mutter der Familie hat es dann für die ganze Gruppe inklusive Familie zubereitet. Dabei hat sie sogar noch extra Zutaten gekauft um uns ein leckeres Essen zuzubereiten, was ihr auch wirklich gelungen ist. Vor dem Hintergrund, dass diese Familie wirklich so gut wie gar nichts hat, war das schon sehr beeindruckend.

Zwischendurch gab es immer wieder kleine Pausen, in denen wir frische Mangos gegessen oder die Gegend erkundet haben. Der Spiegel schreibt in einem Artikel über Haiti, dass es dort mit die besten Mangos der Welt gibt und das kann ich nur bestätigen. Sie schmecken sogar noch besser als die Mangos, die an den zwei Mangobäumen vor meinem Haus in Azua wachsen. Vor allem aber tausendmal besser als das, was in Deutschland als Mango verkauft wird :P

Das Mitagessen wird zubereitet. Traditionell auf Holzkohle in einem großen Topf.

Mittagspause bei Reis, Bohnen und Frankfurter Würstchen aus der Dose.

Der fleißigste Arbeiter der Gruppe.

Zwischendurch kamen auch immer Leute vorbei und boten ihre Hilfe an oder Kinder, die fragten, ob wir ihnen nicht auch so ein Haus bauen könnten. Da war es beruhigend, erzählen zu können, dass wir wohl noch öfter kommen werden, da es mir wirklich schwer gefallen wäre, zu sagen, dass das nicht geht.

Gegen Abend hat es dann ziemlich heftig angefangen zu regnen und noch bevor wir im Bus saßen waren wir alle bis auf die Unterwäsche durchnässt. Dies änderte aber nichts an der sehr euphorischen Stimmung und die Haitianer fingen gleich mit answer-response-Gesängen auf Creol an, was mich wieder sehr an Afrika erinnerte. Genauso wie die Musik, die dort gehört wird und Kompa heißt. Sie ist vom Tanz her ähnlich wie der dominikanische Merengue, aber viel langsamer und geschmeidiger.

Wieder abends im Lager wurde diese Musik dann auch gleich aufgedreht. Da einige Zelte ziemlich durchnässt waren, entschieden sich ein paar Leute dann doch im Haus zu schlafen. An diesem tag gab es dann sogar Süßwasser zum Waschen und natürlich auch noch ein Abendessen. Nachdem wir noch kurz den haitianischen Tänzen zugeschaut haben, sind wir dann auch schon ziemlich früh todmüde ins „Bett“ gefallen. Dies bestand leider nur aus meinem Schlafsack, der direkt auf dem Kieselsteinboden lag. Die Härte des Bodens war mir aber auf Grund meiner absoluten Müdigkeit völlig egal und ich schlief wie ein Baby die Nacht durch. Bis wieder morgens um fünf. Da hieß es dann wieder aufstehen und Frühstücken, danach in die Busse und ab zum Bauplatz. Dort wartete auch schon wieder der leckere, frisch gebrühte Kaffee auf uns und wir konnten gleich anfangen, die Wände aufzustellen. Dabei zeigt sich dann, wie gut man am Vortag gearbeitet hat und ob die Wände waagerecht stehen. Bei uns lief glücklicherweise alles gut und so ging es dank zahlreicher Mithilfe vorbeikommender Haitianer sehr schnell voran, was uns genügend Zeit zum Mangos-mit-Steinen-aus-den-Bäumen-Werfen gab. Am Schluss stand dann nur noch das Dach an. Dabei kletterte ich mit einem Haitianer auf die wackeligen Wände und versuchte Hammer und Nägel bei mir zu behalten während ich mich so gut es ging festklammerte. Der Haitianer dagegen kletterte auf den schmalen Dachlatten rum, dass ich vor Neid nur staunen konnte. Nachdem ich mit ihm die letzten Latten am Dach angebracht hatte, wollte ich ihm eigentlich Helfen, die scharfkantigen Wellbleche auf dem Dach anzubringen, aber er wollte das lieber alleine machen. Und zwar komplett. So sahen wir alle staunend zu, wir er in rasender Geschwindigkeit das komplette Dach deckte. Ich glaube, das war für ihn auch noch mal sehr wichtig, dass er den letzten Schritt am Haus selbst erledigt. Außerdem konnte er es alleine wohl auch besser, als wir alle zusammen. Ganz zum Schluss fehlten dann nur noch Fenster und Türen und es wurde noch mal kurz durchgefegt. Dann ging es zur feierlichen Übergabe des Hauses an die Familie. Dabei bekamen sie ein Dokument, was ihnen bescheinigte, dass dieses Haus von nun an ihnen gehört, was nicht ganz unwichtig ist, um spätere Besitztumsfragen zu klären. Der tollste Moment war dann, als die Familie das Band durchschnitt, was wir in der Tür aufgehängt hatten. Alle stürmten ins Haus, schrieen und tanzten und freuten sich so krass, dass das der beste Lohn für die harte Arbeit in praller Sonne und strömendem Regen war. Die Mutter der Familie wollte zum Schluss dann noch jedem persönlich einen Kuss geben und war vor Freude den Tränen nahe. Danach war jede Angst und jeder Zweifel vergessen und ich war überglücklich, dass ich mitgefahren bin.

Kurz danach mussten wir aber auch schon wieder los, da es langsam dunkel wurde. In Haiti wird es, ebenso wie hier, fast immer zur gleichen Zeit, gegen halb 7, dunkel. Allerdings liegt Haiti in einer anderen Zeitzone als die Dominikanische Republik, nämlich eine Stunde zurück.

Besitztumsbestätigung für die Familie

Die Mama der Familie gibt jedem von unsnoch einen Kuss zum Dank.

Die Familie mit unserer Freiwilligengruppe vor und in dem neuen Haus.

Den letzten Abend verbrachten alle Freiwilligen zusammen. Es gab lecker Essen und Trinken (Alkohol war, genau wie Sex und Drogen, während den gesamten vier Tagen verboten) und natürlich wurde auch wieder Kompa getanzt und gehört. Wir lernten viele neue Leute kennen und der Abend endete wieder relativ früh, da alle todmüde waren. Die Nächte auf dem harten Boden gingen besser vorbei als ich dachte, was wohl auch an meiner Müdigkeit lag. Am nächsten Tag wollten wir gegen Vormittag wieder Richtung Dominikanische Republik aufbrechen, weswegen der Wecker schon wieder auf 6 Uhr morgens stand. Allerdings wurde ich schon um 5 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen, als Jonathan und unser anderer Zeltgenosse neben mir plötzlich synchron hochschnellten und ich nur noch die Taschenlampe an der Zeltdecke wackeln sah. Da war klar, dass es ein Erdbeben war, was zwar nur kurz andauerte, aber auch eine Stärke von 4,5 auf der Richter-Skala erreichte. Die Leute, die im Haus schliefen, rannten panisch raus und es war ziemlicher Aufruhr auf dem Platz. Jetzt kann ich mir vorstellen, wie enttäuschend es für die Menschen dort sein muss, wenn sie immer damit rechnen müssen, dass alles von vorne Anfängt. Glücklicherweise ist aber niemandem von uns etwas passiert und die Haitianer erzählten uns, dass diese kleinen, kurzen Erdbeben mittlerweile völlig normal sind. Nach einiger Zeit des Wartens, als die Busse beladen und alle bereit waren, ging es dann auch wieder nach hause. Auf dem Rückweg machte ich ziemlich viele Fotos, die ich im Anhang noch zeigen möchte. Obwohl der Artikel schon wieder viel zu lang geworden ist, könnte ich noch ewig weiter über das Kapitel Haiti schreiben. Die Geschichte, die Menschen und der Zustand dieses Landes sind super interessant und ich hoffe, dass es nicht so schnell den Blick der Öffentlichkeit und vor allem deren Hilfe verliert. Das Erdbeben war eine riesige Katastrophe, kann aber auch eine große Chance sein. Im Moment wird das Land wohl hauptsächlich von der UNO und der US-Army regiert, denen allerdings auch noch etwas die Koordination fehlt, da so viele verschiedene Organisationen im Land ihr eigenes Süppchen kochen. Eine Begegnung mit der US-Army hatten wir, die mich schon wieder sehr an deren Methoden zweifeln lässt. Und zwar war das eine Kolonne von Jeeps, deren Besatzung teilweise bewaffnet war und deren vorderster Mann laut über die Straße Schrie: „Hey you! Stop!! You!!!!“ Damit war kein Plünderer oder krimineller, sondern ein einheimischer Busfahrer gemeint. Mir als Haitianer hätte das wohl mehr Angst eingejagt als Hoffnung geweckt. Beeindruckend ist, wie das Leben dort weitergeht und ich finde es schade, dass das ein bisschen in der medialen Berichterstattung fehlt.

UN-Trupp am Straßenrand

Straßenverkäufer

Patruille der US-Army

Aufräumarbeiten und Bau von Abwasserkanälen

Markt von Port-au-Prince

Für mich war es das schlimmste, das beeindruckendste und auch eines der schönsten Erlebnisse zugleich und ich werde bei der nächsten Gelegenheit wohl wieder mitfahren, denn wie gesagt sieht der Plan von „Un techo para mi País“ vor, dass in den nächsten vier Jahren insgesamt 10.000 solcher Notunterkünfte gebaut werden. Dazu soll auch in Haiti eine Zweigstelle aufgebaut werden. Haiti ist mit Sprache und Abstammung etwas der Außenseiter in Lateinamerika, weswegen das Verhältnis zu anderen Ländern auch nicht immer das Beste war.

„Der Spiegel“ titelte in seinem Heft zum Thema „Haiti – ein Land stirbt“. Das würde ich nicht so sagen. Haiti war schon lange verletzt und hat jetzt noch mal ordentlich etwas abbekommen, aber gerade jetzt sieht man auch, wie das Land dagegen kämpft, eben nicht zu sterben und wieder gesund zu werden. Dafür braucht es aber auf jeden Fall noch jede Menge Zeit und vor allem jede Menge Hilfe.

Noch viel mehr Bilder gibt es unter: http://www.flickr.com/photos/zombiekarotte/sets/

Seit langem melde ich mich mal wieder mit einem Beitrag. Diesmal geht es um Karneval. Der wird hier allerdings etwas anders gefeiert als bei uns. Ich war in Deutschland eigentlich nie Fan vom Karneval, aber hier ist das ein Ereignis, was mein eigentlich gesehen haben muss, wenn man ein Jahr in der Dominikanischen Republik verbracht hat. Jedes Wochenende im Februar feiern verschiedene Städte hier ihren Karneval. La Vega hat dabei angeblich den besten Karneval und da fahren auch jedes Wochenende zig Reiseveranstalter und Gruppen hin. Also habe ich mich mit Jonathan und Micki dazu entschlossen am Sonntag dem 21. Februar mit einer Gruppe nach La Vega zum Karneval Vegano zu fahren. Eigentlich soll das letzte Februarwochenende das Beste sein, da wir da aber nach Haiti gefahren sind (Bericht folgt), ging das leider nicht. Also sind wir morgens um 7 am Treffpunkt in Santo Domingo (wo ich in letzter Zeit jedes Wochenende verbracht habe) gewesen. Die Gruppe haben wir auch gleich gefunden. Das waren nämlich bestimmt 10 Reisebusse voll Leute, die alle schon kräftig dabei waren, die Inklusivgetränke zu vernichten. Auch uns wurden auf dem Parkplatz, der der Treffpunkt war schon Vodka und diverse andere Getränke in die Hand gedrückt mit dem guten Rat, das Getränkeangebot so gut wie möglich auszunutzen und möglichst betrunken in La Vega anzukommen. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass es von dort direkt losgeht, allerdings gab es schon auf dem Parkplatz die erste Unterhaltung durch die hauseigene Musik- und Tanzgruppe und man hat schon mal die anderen Leute kennen lernen können.

Tanzgruppe

Treffpunkt

Promotion-Frauen, die Alkohol in Caprisonnenpäckchen verteilt haben

So nach etwa 2 Stunden auf dem Parkplatz ging es dann in die Busse und endlich los. Dort gab es dann ein kleines Frühstück und natürlich wieder jede Menge alkoholische Getränke. Dem Alkoholpegel entsprechend war es schon seit ca. 8 Uhr morgens eine riesen Party und wenn die Dominikaner eins können, dann ist es feiern, trinken und Tanzen.
In La Vega angekommen erwartete uns dann als erstes ein Konzert von Rita Indiana. Die Musik von Rita Indiana und ihrer Band ist schwer zu beschreiben, gefällt mir aber richtig gut.

Rita Indiana mit Tänzern und Band

Auf dem Konzertgelände gab es dann auch Mittagessen und natürlich auch die ganze Zeit über Getränke, die allerdings bezahlt werden mussten. Da unser Pegel aber auch schon ganz ordentlich war und man in der Hitze sowieso sehr schnell fertig ist, machten wir da erstmal eine Pause und nutzten die Zeit zum Verschnaufen.
Von dort aus ging es mit einem Typ, den Micki schnell kennen gelernt hatte und der sich gut auskannte in La Vega, zum Karneval. Dieser befindet sich in der Innenstadt von La Vega und besteht aus einigen „Höhlen“, in denen DJs oder Musiker für Stimmung sorgen und die super vollgestopft mit Menschen sind. Dort feierten wir dann in verschiedenen Höhlen zusammen mit tausenden anderen Dominikanern. Irgendwann kamen dann die „Disfrazes“, also die verkleideten „Monster“ in die Höhlen. Dabei muss man hier tierisch auf seinen Arsch aufpassen, da die Monster, die teilweise wirklich ziemlich gefährlich aussehen, mit Wasser oder sonstigen harten Gegenständen gefüllte Ballons haben, mit denen sie den Leuten einen kräftigen Schlag auf den Arsch versetzen. Ich bin zum Glück verschont geblieben, aber Jonathan hat einen abbekommen und mir versichert, dass es wirklich sehr weh tut.

Monster in der Höhle

In einer der "Höhlen"

So haben wir den ganzen Tag damit verbracht uns von Höhle zu Höhle durch die Menschenmassen zu kämpfen, Bier in Dosen zu kaufen (natürlich ohne Pfand) und uns die Verkleideten Monster anzuschauen. Die Verkleidungen sind wirklich super aufwändig gemacht und es sind immer einzelne Gruppen, die die gleichen Verkleidungen haben. Das sind dann Gruppen von Freunden, Arbeitskollegen oder andere Leute, die sich irgendwie zusammengefunden haben und die das Geld haben um die tausend Euro für so eine Handgefertigte Verkleidung auszugeben.

Gegen Abend stand dann noch ein „Calle 13“-Konzert auf dem Programm. Calle 13 ist eine Raggaeton/Hip Hop-Band aus Puerto Rico (Wie fast alle Raggaeton-„Künstler“, die hier gehört werden), die das Highlight für diesen Abend darstellen sollten und für die sich auch schon eine riesige Menschenmasse vor der Bühne versammelt hatte. Dank des Typen, den Micki da kennen gelernt hat, konnten wir in den VIP-Bereich direkt vor die Bühne und uns so das Konzert ohne Gerangel anschauen.

Calle 13 Sänger

Die Band

Zwei mal gab es Zwischenfälle bei dem Konzert. Einmal direkt am Anfang, als die Merengue-Vorband gespielt hat. Da gab es plötzlich einen lauten Knall und alle liefen panisch weg und duckten sich. Wir wussten gar nicht was los war, sind aber einfach mitgerannt, bzw. weggeschoben worden und haben versucht so gut wie möglich in Deckung zu gehen. Es hieß dann, es sei ein Schuss, was sich aber später als falsch herausstellte und mich ziemlich erleichterte.
Das zweite mal war eine Schlägerei im Publikum ziemlich in unserer Nähe, aber durch den VIP-Graben geschützt. Trotzdem liefen wieder alle wild auseinander und schrien aus Angst vor einer Schießerei. Sowas mitzubekommen war schon ziemlich erschreckend, aber zum Glück ist ja nichts passiert, auch wenn die Schlägerei ziemlich brutal war. Das Konzert war super, allerdings mussten wir leider schon etwas früher wieder gehen, da unsere Gruppe ja noch zurück nach Santo Domingo musste. Dort kamen wir dann auch irgendwann nachts an und waren alle völlig fertig vom Trinken und Feiern.
Der Karneval kam mir sowieso viel mehr wie eine riesen Party vor als wie ein kulturelles Highlight, aber das ist er in Deutschland ja auch.

Änderungen im Blog

Posted: 8. März 2010 in Uncategorized

Ab heute werde ich wieder hier bloggen.

Ab jetzt hoffentlich auch wieder regelmäßiger!