Das große Krabbeln

Posted: 3. August 2010 in Uncategorized

Ich weiß, ihr wartet alle sehnsüchtig auf den neuesten Eintrag in meinem Blog und schaut täglich mindestens drei mal hier vorbei. Das sehe ich ja in meinem Zähler ;) Eigentlich wollte ich heute auch über alles schreiben, was ich in letzter Zeit erlebt und unternommen habe. Da ich aber um das zu ordnen, Fotos auszusuchen bzw. zu machen und den Text zu schreiben etwas länger brauche und in letzter Zeit, wie ihr ja vielleicht auch schon gemerkt habt, etwas unter einer Schreibblockade leide, warte ich lieber noch ein wenig, bis mich die Muse küsst und schreibe mal über etwas anderes.

Und zwar über Krabbeltierchen, die es hier ja zu genüge gibt und mit denen man sich im weniger karibischen Deutschland nicht so sehr rumschlagen muss. Zum Glück, würde ich sagen. Auf Grund mangelnder Hygiene, undichter Häuser, offener Fenster und schlicht und einfach einem anderen Aufgebot an Sechs- bzw. Acht- bzw. Hundert- oder gar Tausendfüßlern, begegnet man hier des öfteren Tierchen, denen man lieber nie begegnet wäre und bei denen man, auch wenn sie einem kein Haar krümmen können, erstmal einen Panikanfall mit anschließendem Fluchtreflex verspürt. Bis man sich nach ein paar Wochen dran gewöhnt hat und anfängt Namen zu vergeben.

Zu den häufigsten dieser unliebsamen Gesellen zählen hier sicherlich Kakerlaken, liebevoll Cucarachas genannt. Je nach Wohnung, Wetter und Hygiene hat man von diesen mindestens eine bis mehrere monatlich zu verkraften. Mich begrüßte die erste auch direkt am Tag meiner Ankunft. Genauso erwartungsvoll wie der Rest der Familie saß sie in der Dusche und fühlerte mit ihren mindestens 5cm langen Fühlern durch die Gegend. Völlig übermüdet war mir das Tierchen erstmal recht egal, aber meine Gastmutter zog gleich ihren Todeslatschen aus und bescherte dem Gekrabbel ein Ende und mir einen gelb-weißlichen Schleimfleck in der Dusche. Bei der nächsten Kakerlake eine Zeit lang später wollte ich es ihr dann gleichtun, zog meinen Flip Flop aus und näherte mich dem braunen Panzertier. Großer Fehler, denn das Vieh raste auf mich zu und kurz fragte ich mich, ob es mir vllt doch was tun konnte…das Tier schien zumindest davon überzeugt und raste weiter auf mich zu, als wollte es mich mit den Fühlern aufspießen. Ich panisch mit der Sandale hinterher! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell diese Viecher rennen können. Leider eine Eigenart vieler ungeliebter Krabbler…

Irgendwann hatte auch ich dann meinen Glückstreffer gelandet. Glücksgefühl und der Adrenalisnpiegel senkte sich langsam wieder. Leib und Leben waren gerettet. Dachte ich. Aber die Panzer der Tierchen halten, was sie versprechen. Kurz die Fühler gerichtet und weiter gehts. Also gut, diesmal härter zuschlagen. Das die Dinger fliegen können, hatte ich vorher nicht gewusst und so erlitt ich auch den ein oder anderen beinahen Herztod. Irgendwann hatte ichs dann aber drauf mit dem Zermatschen. Nach ein paar Matschflecken hab ichs dann aber auch irgendwann aufgegeben und versucht die Käfer wieder in das Abflußloch, aus dem sie gekrochen waren, zu scheuchen, was meistens auch gut geklappt hat, weil nicht alle so mutige Kamikaze-Krabbler waren. So lange sie keine Gegenstände besetzten, die ich benutzen wollte, ließ ich die Tiere also irgendwann einfach vor sich hinfühlern und bis heute hat mir auch noch keine was getan.

Kakerlake auf meinem Handtuch

Im Gegensatz dazu ist das, was ich eines Tages vor unserem Haus herumtrieb schon eine Nummer gefährlicher und sorgte für mittelgroßes Aufsehen. Den Dominikaner bringt ja an sich wenig aus seinem Plastikstuhl, aber beim Anblick des Hundertfüßlers wurde erstmal schnell das Baby in Sicherheit gebracht. Ich war auch im Zwiespialt zwischen mich-in-Sicherheit-bringen und interessiertes Beobachten, beschloss dann,  das gefährliche Tier etwas näher zu betrachten und ein paar Fotos zu machen und kam zu dem Schluss, dass es den Bordstein eh nie hochkommen würde und deshalb keine Gefahr darstellte. Vorbeikommende Anwohner und meine Familie waren da anderer Meinung und es wurden Geschichten von amputierten Beinen und gestorbenen Kindern nach Hundertfüßlerstichen erzählt. Der hat nämlich am Hinterteil zwei ziemlich große Stacheln, die angeblich auch wirklich ordentlich zustechen können. Das wollte natürlich niemand riskieren und so wurde die Machete gezückt und der Kampf aufgenommen. Ein Kampf war das dann auch wirklich, da sich der Füßler nicht so einfach niederstrecken lassen wollte. Sein Panzer schien relativ hart zu sein und er wandt sich wie eine Schlange. Hätte nur noch gefehlt, dass er gezischt und Feuer gespuckt hätte. Irgendwann hat die Machetenspitze dann doch seinen Panzer durchdrungen und er wurde auf grausame Weise gesteinigt. Da kennen die Dominikaner kein Pardon. Wer Kinder und Beine auf dem Gewissen hat, wird zermatscht. So einen habe ich allerdings in der ganzen Zeit hier nur ein einziges Mal gesehen. Zum Glück…auch wenn ich immernoch der Meinung bin, der hätte nie den Bordstein erklommen und wäre schon wieder abgezogen.

Lebender Hundertfüßler

Brutaler Mord am Cienpie

Reste des Krabbeltieres nachdem es mit einem Stein zermatscht wurde

Die nächste krabbelige Überraschung hatte ich dann eine ganze Weile später. Als ich eines Morgens langsam die Augen aufmachte, sah ich das nahende Unheil schon direkt vor mir. An der Wand neben meinem Bett saß eine Spinne, wie ich sie in der Größe noch nie gesehen hatte. Kurz überprüft, ob ich träume und nach negativem Ergebnis drüber nachgedacht, wie ich das Tier loswerden konnte. Als erste Möglichkeit viel mir die Krabbeltierwaffe Nummer Eins ein: Der Flip Flop. Wird schon nicht so schnell sein wie die Kakerlaken, dachte ich und schlug mal siegessicher zu. Getäuscht. Das Vieh rannte unter dem Schuh weg. So schnell, dass ich nicht einmal sah, wohin. Kein gutes Gefühl, zu wissen eine CD-große Spinne sitzt irgendwo und beobachtet mich aus ihren acht Augen. Doch dann sah ich sie wieder in einer Ecke hocken und wollte erneut zum Angriff ansetzen. Gefährlich streckte die Spinne mir die beiden Vorderbeine entgegen. Tief durchatmen und erneut zuschlagen. Wieder zu langsam, diesmal war sie endgültig irgendwo verschwunden. Nagut dachte ich, geh ich erstmal zur Arbeit, die wird schon wieder abhauen. Als ich zurück kam, wollte ich natürlich als erstes sehen, ob das Tier noch da ist. Tür auf und als hätte die Spinne Spaß daran, mich zu erschrecken, kam sie direkt auf die Vorderseite der Tür gekrabbelt. Tief durchatmen. Ist nur eine Spinne. Mal eben gefragt, ob die gefährlich ist. Nachbarin:“Oh ja, die sind ganz gefährlich, guck mal hier *Narbe zeig*, das war so eine!“ Okay, nochmal tief durchatmen. Gastvater:“ Nee, die tun nix, die Fressen nur Insekten.“ Typisch dominikanische auskünfte eben. Schnell die Aufgabe der Entfernung an die Gastschwester übergeben. Die hat dan erstmal wieder das Baby in Sicherheut gebracht, weil auch sie der Überzeugung war, die Spinne sei gefährlich. Aber auch sie konnte das ekelhafteste von allen Krabbelteieren, denen ich hier begegnet bin nicht erledigen. So musste ich von da an jede nacht mit der Gewisseheit schlafen, dass in meinem Zimmer eine Riesenspinne sitzt, die nur darauf wartet sich im Schlaf auf mich zu stürzen. Nachdem ich sie dann ca. Eine Woche nichtmehr gesehen hatte, konnte ich langsam wieder beruhigt schlafen.

Spinne vom Durchmesser einer CD neben meinem Bett

Den Oberknüller aller Krabbeltiere hatte ich aber zum Glück noch nicht im Haus, auch wenn ich gerade genau dort lebe, wo sich die Tiere am liebsten rumtreiben: Vogelspinnen. Einmal habe ich eine über die Straße krabbeln sehen. Fett, haarig und schwarz und einmal saß eine kleinere vor meinem Haus, aber jedesmal bin ich ihnen nicht wirklich nahe gekommen, auch wenn sie angeblich nicht wirklich gefährlich sind.

Sonst gibt es hier natürlich noch abertausende anderer Krabbeltierchen, von denen die meisten allerdings recht unspektakulär und vor allem ungefährlich sind. Meine Favoriten im Moment sind Käfer, die dem Licht folgend ins Haus kommen, irgendwann auf den Fliesenboden abstürzen, versuchen erneut zu starten und umher zu krabbeln, dann aber innerhalb kürzester Zeit von einer Horde Ameisen auseinandergenommen werden. Ameisen sind hier sowieso die am weitest verbreiteten Krabbler und alles, was länger als 5 Minuten offen rumsteht wird von ihnen überfallen.

Der nächste Beitrag hat dann wieder weniger Beine!

Kommentare
  1. Interessante Seite, gibt es einen Newsletter den ich abonnieren kann, damit ich immer auf dem neusten Stand bin. Nebenkostenabrechnung Software

  2. Angie sagt:

    Hallo, kannst du mir sagen, was es für eine Spinne war?
    So eine hatten wir nämlich auch im Hotel.
    Liebe Grüße
    Angie

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