Am 31. Juli habe ich mit Fionn zusammen mal wieder eine Wanderung unternommen.
Zusammen sind wir morgens mit dem Bus los nach Guayabal, wo wir die erste Nacht bei „Verwandten“ von Fionn vebringen wollten. Guayabal liegt schon sehr weit oben in den Bergen, von dort aus wollten wir dann noch weiter hoch nach Constanza wandern. Fionn wusste, dass es dort einen Weg gibt, der ein Stück weit an einem Fluss entlang geht und dann immer weiter durch die Berge.
Den Nachmittag und Abend verbrachten wir zusammen mit Fionns Gastgeschwistern in Guayabal, wo es wirklich traumhaft schön ist, ganz anders, als man sich die Dominikanische Republik so vorstellt: Berge, Flüsse und fast schon Kälte.
In Guayabal ließen wir dann noch unsere Macheten schärfen, die wir uns in Azua noch gekauft hatten und fragten, wie lange es bis Constanza etwa dauere. So genau konnte uns das keiner sagen, aber wenn man früh genug los ginge, käme man schon am Mittag dort an. Eine verhängnisvolle Annahme, wie sich später noch rausstellte.
Der Plan war also, am nächsten Tag um 5 Uhr morgens zu starten und eine Pause an den warmen Quellen einzulegen, die auf dem Weg lagen und zu welchen Fionn schon einmal gelaufen war. Von dort aus sollte es dann noch ein paar Stunden dauern, sodass wir gegen Nachmittag in Constanza ankämen. Dort wollten wir dann bei einer anderen „Verwandten“ von Fionn übernachten und evtl. Noch etwas in der Umgebung anschauen. Diese Verwandte wusste allerdings noch nicht bescheid und da es in Guayabal keinen Handyempfang gibt, sondern nur öffentliche Telefonhäuschen, über die die Verwandten aber nicht zu erreichen waren, schrieb und Fionns „Oma“ aus Guayabal einen Brief, in dem sie schilderte, dass wir zur Familie gehörten und so weiter. Mit diesem Brief im Gepäck fühlte ich mich auf der Wanderung noch das ein oder andere Mal wie ein Bote im Mittelalter.
Samstagmorgen machten wir uns also in der Morgendämmerung auf den Weg. Die Oma hatte uns am Abend noch Reis mit Bohnen gekocht, den wir zusammen mit jeder einer Gallone Wasser in unsere Rucksäcke packten. Mit Stirnlampe auf dem Kopf und im Mondesschein ging es dann Richtung Constanza. Überraschenderweise waren wir um die Uhrzeit, zu der ich sonst keinen Fuß vor die Tür setze, nicht alleine unterwegs. Die ersten Bauern ritten schon mit ihren Maultieren an uns vorbei und wünschten uns freundlich einen guten Morgen. Natürlich wollten auch viele wissen, wohin denn zwei „americanos“ so früh unterwegs seien.
Das erste Stück des Weges ging an einem Fluss, dem Rio Guayabal, entlang, den wir auch des öfteren Überqueren mussten. Bei der Prozedur Schuhe aus, Fluss durchwaten, Schuhe an, verloren wir viel Zeit, so dass ich am Schluss ein Stück in Flip-Flops gelaufen bin. Es waren gefühlte 96 Flussüberquerungen und immer wenn man dachte jetzt sei’s geschafft und die Schuhe wieder anzog, musste man hinter der nächsten Ecke wieder den Fluss überqueren.
Mitlerweile war auch schon die Sonne aufgegangen und brannte rücksichtslos auf uns nieder. Da war es gar nicht so schlecht, ab und zu mal in den Fluss zu hüpfen. Die ganze Zeit waren wir mitgenommen von der Schönheit der uns umgebenden Natur, den Bergen, den grünen Wiesen, die wie Teppiche die Hügel bedeckten und dem Fluss, der sich in Kurven durchs Land schlängelte.
Irgendwan kamen wir dann endlich an den warmen Quellen an. Völlig beeindruckt von dem Wasser, was da aus den Felsen kam und die Steine rot färbte, sprangen wir erstmal ins größte Becken und nahmen ein ausgiebiges Bad in den wirklich super warmen Quellen. Das Wasser war schon keine Erfrischung mehr, aber es war angenehm warm und es ließ sich wunderbar darin entspannen. Wahrscheinlich wird das Wasser durch irgendwelche chemischen Reaktionen erwärmt, was auch die rote farbe der Steine erklären würde. Wer sich da besser auskennt kann ja mal erzählen
Dort legten wir eine ausgiebige Pause ein und machten uns auch über den Reis her. Dabei mussten wir auch feststellen, dass unsere wasservorräte in der brennenden Sonne schneller ausgingen, als gedacht, vor allem, da das Wasser in einem der Kanister mehr nach Chlor, als nach Wasser schmeckte. Während dieser Pause kehrten die ersten Feldarbeiter schon auf ihren Maultieren mit Säcken voller Bohnen zurück.
Nach einem ausgiebigen Bad in den wohltuenden Quellen machten wir uns dann wieder auf den Weg und endlich endeten auch die Flussüberquerungen. Dafür machte uns jetzt etwas anderes zu schaffen: Steigung. Ich glaube wir sind 90% der Wanderung bergauf gelaufen und das bei erbarmungslos strahlender Sonne. Beim Abstieg hat es dann dafür geregnet, aber dazu später mehr.
Der Weg führte uns jetzt durch die verschiedensten Gebiete. Ab und zu stießen wir auf Feldarbeiter, die mitten in den Bergen Avocados, Bananen oder Bohnen anbauten. Bei diesen konnten wir dann auch unser Wasser auffüllen, das direkt aus dem Berg kam. Lecker!
Die Aussicht war oft traumhaft und da wir öfters kurz anhalten und verschnaufen mussten, konnten wir sie auch oft genug genießen. Langsam ahnten wir schon, dass wir uns mit der Zeit ziemlich verschätzt hatten. Es wurde Nachmittag und immer wenn wir dachten, jetzt ginge es endlich bergab, ging es hinter der nächsten Ecke um so steiler bergauf. Da wir ja auch nicht wussten, wie weit es bis ans Ziel noch war, gingen wir dann doch etwas schnelleren Schrittes. Unterwegs fragten wir einen der Bauern dann mal, wie weit es zu Fuß denn noch sei. Immer wenn wir sagten, wir gingen zu Fuß wurden wir von den Leuten zwar bewundert, mittlerweile glaube ich aber, dass wir eher bemitleidet wurden…
Jedenfalls sollten es angeblich noch vier Stunden bis Constanza sein. Es wurde uns schnell klar, dass wir es gerade so zum Abend schaffen würden. Gegen Nachmittag wurde es dann innerhalb kürzester Zeit bewölkt und wir ahnten schon, was uns erwartete. Der Regen ließ dann auch nicht lange auf sich warten und natürlich hatte niemand Regensachen dabei. Verzweifelt versuchten wir, unter Bäumen und Büschen Unterschlupf zu finden. Uns wurde dabei aber auch klar, dass wir so noch länger brauchten, da wir ja auch nicht wussten, wie lange der Regen andauern würden. Also mussten wir weiterlaufen, schön durch den Matsch und Regen.
Am späten Nachmittag erreichten wir dann die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation. Kartoffel- und Kohlfelder und vereinzelte Hütten. In diesen wohnten ausschließlich Haitianer, die uns dann auch gleich erzählten, dass es bis Constanza noch ein gutes Stück sei.
So schnell wie möglich machten wir uns also auf den Weg. Langsam dämmerte es auch schon und wir wussten immer noch nicht, wie weit es noch war. Plötzlich kamen, wie aus dem Nichts, zwei Jeeps, die wir sofort anhielten und fragten, ob sie zufällig nach Constanza fuhren. Wir hatten Glück und konnten direkt hinten draufspringen. Diese Art des Transports ist hier ganz normal und in Azua fahre ich so fast täglich. Der frische Wind um die Ohren weckt einen morgens gleich richtig.
Auf dem Weg sahen wir dann, dass es noch ein richtig langes Stück war und selbst mit Jeep kamen wir erst im Dunkeln an. Wahrscheinlich waren diejenigen, die uns die Auskunft gegeben hatten, noch nie zu Fuß den Weg gegangen, sondern immer mit Maultier oder Motorrad. Insgesamt waren wir über 12 Stunden unterwegs.
Jetzt mussten wir noch die Verwandtschaft auftreiben, was sich aber als leichter als gedacht rausstellte. Da sie eine Cafeteria mitten in der Stadt haben, kannte sie jeder und auch die Motoconchos wussten, wo sie wohnten. Da die Oma sie mittlerweile dann doch telefonisch erreicht hatte und sich alle auch schon große Sorgen machten, wo wir denn bleiben, wurden wir freundlich empfangen. Wir müssen ausgesehen und gestunken haben, wie die Schweine, weshalb wir uns erstmal ausgiebig pflegten. Mir tat alles weh und ich war hundemüde. Nach einem leckeren, extra für uns zubereiteten Essen gingen wir dann auch sofort schlafen. Am nächsten Morgen weckte uns, viel zu früh, ein Motoconcho, das uns zu der Cafeteria bringen sollte. Dort gab es zur Stärkund dann erstmal ein leckeres Frühstück aus gestampften Platano, Zwiebeln, Yuca, frittiertem Ei, frittierter Salami und frittiertem Käse. Mindestens 1000 Kalorien, aber genau das, was wir gebraucht haben. Nach einer kurzen Stadterkundung trafen wir dann die Leute mit den Jeeps wieder, die nur noch kurz essen und dann wieder den Heimweg antreten wollten. Da sie in unsere Richtung fuhren, fragten sie, ob sie uns mitnehmen sollten. Da das eine günstige Gelegenheit war, den vollgestopften, unbequemen Bussen zu entkommen sagten zu und holten noch schnell unsere Sachen aus dem Haus. Leider hatte sich unsere Mitfahrgelegenheit in der Zeit in Luft aufgelöst. Enttäuscht fuhren wir dann doch Bus. Unendlich lange, unendlich voll, unendlich unbequem. Aber man gewöhnt sich an alles. Auf der fahrt haben wir dann noch etwas von der Umgebung gesehen und da Constanza der einzige Ort in der Dominikanischen Republik ist, an dem Erdbeeren (und anderes Obst und Gemüse) angebaut werden, habe ich auf dem Weg noch eine Erdbeermarmelade gekauft. Schmeckt wie die von Omi!
Hier noch ein paar Eindrücke von Constanza auf der Rückfahrt:


















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[...] Zuerst würde ich gern auf Felix super geschriebenen, mit tollen Fotos versehenden Artikel über unseren Ausriss der Zivilisation verweisen: http://felixgehtweltwaerts.wordpress.com/2010/08/12/von-guayabal-nach-constanza/ [...]
[...] Zuerst würde ich gern auf Felix super geschriebenen, mit tollen Fotos versehenden Artikel über unseren Ausriss der Zivilisation verweisen: http://felixgehtweltwaerts.wordpress.com/2010/08/12/von-guayabal-nach-constanza/ [...]